Köln, Düsseldorf (epd). Wirtschaftsfachleute warnen vor schweren wirtschaftlichen Folgen im Fall einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt. Angesichts des Wahlprogramms sei zu erwarten, dass bei einer Regierungsübernahme der AfD das Bundesland als Standort für Fachkräfte und Unternehmen deutlich an Attraktivität verlieren würde, sagte die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, dem „Kölner Stadtanzeiger“ (Montag). Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, nannte in der „Rheinischen Post“ (Samstag) eine Zuwanderungspolitik nach den Vorstellungen der AfD für Sachsen-Anhalt „ruinös“.
In Sachsen-Anhalt wird am 6. September ein neuer Landtag gewählt. Letzte Umfragen zeigen die AfD vor der CDU. Bislang wurde Sachsen-Anhalt von einer Koalition aus CDU, SPD und FDP unter Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) regiert. Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
Viele Fachkräfte fehlen
Schnitzer erklärte: In Sachsen-Anhalt würden in den nächsten Jahren viele Arbeitskräfte in Rente gehen. Ohne Zuzug von außen würden deshalb bald viele Fachkräfte fehlen. „Und ohne ausreichend Fachkräfte bleiben dringend benötigte Investitionen aus“, warnte die Münchner Ökonomie-Professorin.
Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, machte auf die gravierenden Folgen einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt aufmerksam. Sechs von zehn ostdeutschen Unternehmern sähen die Demokratie gefährdet, sagte Hüther der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Samstag). „Eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt wäre eine Belastungsprobe für die liberale Demokratie“, erklärte der IW-Direktor.
Auf Zuwanderung angewiesen
Auch wirtschaftlich drohen dem Bundesland nach den Worten Hüthers erhebliche Probleme. Eine Zuwanderungspolitik nach den Vorstellungen der AfD wäre für Sachsen-Anhalt „ruinös“. Nach IW-Prognosen werde die Erwerbsbevölkerung dort ohne Zuwanderung bis 2045 um etwa ein Viertel schrumpfen. Eine Politik, die Zuwanderung verhindere, würde Sachsen-Anhalt nach seiner Einschätzung wirtschaftlich schwer schaden. Deutschland sei wegen seiner demografischen Entwicklung auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen, unterstrich der IW-Direktor.



