Frankfurt a.M. (epd). Der Soziologe Oliver Nachtwey warnt kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag vor einer Fehleinschätzung des Erstarkens der AfD. „Aus meiner Sicht halluzinieren die etablierten Parteien über die Problematik“, sagte Nachtwey im Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ (Samstag, online). Das Hoch der AfD sei längst kein rein ostdeutsches Phänomen mehr. Die Partei stehe in mehreren westdeutschen Bundesländern bei rund 20 Prozent. In Sachsen-Anhalt wird am Sonntag ein neuer Landtag gewählt. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD im Land liegt in den Umfragen vorn.
Die Ursache für die hohen Zustimmungswerte der AfD sei vor allem die Angst vor einem sozialen Abstieg in einer volatiler gewordenen Weltwirtschaft - eine Unsicherheit, die fälschlicherweise auf Migranten projiziert werde, erläuterte der Professor für Sozialstrukturanalyse an der Universität Basel.
Hoffnung der Union
Die Strategie, Migration ebenfalls hart zu bekämpfen oder rhetorisch zu attackieren, schwäche die AfD nicht - sie stärke sie. Man legitimiere damit AfD-Positionen und erleichtere es den Menschen, sich zu ihr zu bekennen. Die Hoffnung der Union, die AfD spalten zu können, bezeichnete Nachtwey als „Illusion“. Er mahnte, die Geschichte der Machtergreifung der Nationalsozialisten nicht zu vergessen.



