Berlin (epd). Zehn Tage nach der Flutkatastrophe in Nepal mit Tausenden Opfern werden Forderungen nach Entschädigung aus dem internationalen Unterstützungsfonds für klimabedingte Schäden und Verluste laut. Wie die evangelischen Hilfswerke Diakonie Katastrophenhilfe und „Brot für die Welt“ am Freitag mitteilten, sieht Nepal die Verursacherstaaten des Klimawandels in der Pflicht und fordert finanzielle Entschädigung aus dem sogenannten Loss-and-Damages-Fonds. Die entstandenen Flutschäden werden auf umgerechnet mehr als vier Milliarden Euro geschätzt.
Eine Sturzflut aus Wasser, Schlamm, Eis und Geröll hatte vergangene Woche im Grenzgebiet Nepals zu China ganze Ortschaften mit sich gerissen. Ausgelöst wurde sie laut Experten durch einen Gletschereinsturz auf der tibetischen Seite der Grenze. Ob es sich dabei um eine direkte Folge des menschengemachten Klimawandels handelt, wird derzeit noch untersucht. Den nepalesischen Behörden zufolge wurden bislang über 1.100 Tote registriert, Tausende Menschen werden noch vermisst.
„Brot für die Welt“: Entschädigungsforderungen sind „vollkommen nachvollziehbar“
Die Hilfswerke bezeichnete den Antrag Nepals als „vollkommen nachvollziehbar“. Die Länder, die durch ihren erhöhten Treibhausgasausstoß maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich seien, „können sich nicht mehr mit Almosen aus der Verantwortung ziehen, wenn wirtschaftlich benachteiligte Staaten die Konsequenzen der Klimakrise tragen“, betonte die Klima-Expertin von „Brot für die Welt“, Sabine Minninger. Nun müsse geprüft werden, ob „das Verursacherprinzip im Ernstfall greift und betroffene Staaten angemessen entschädigt werden können“.
Mit Blick auf die bislang unzureichende Finanzierung des Fonds warnte Minninger jedoch vor einer erheblichen Finanzierungslücke: Selbst wenn die Flutkatastrophe in Nepal als Klimawandelfolge anerkannt werde, könne darüber nur einen Bruchteil der Schäden abgedeckt werden. Der Klimaschädenfonds wurde 2023 auf der UN-Klimakonferenz eingerichtet. Er soll wirtschaftlich schwächere Länder, die besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, finanziell bei deren Bewältigung unterstützen.



