Sein Mythos ist schon jetzt unsterblich: Freddie Mercury (1946-1991), Frontmann der Band "Queen", gilt als einer der größten Entertainer der Rockgeschichte. Songs wie "We Will Rock you" oder "We Are The Champions" werden weltweit in Fußballstadien gespielt und sind zeitlose Klassiker, ein Musical begeistert seit fast einem Vierteljahrhundert die Fans. Der oscarprämierte Kinofilm "Bohemian Rhapsody" und zahlreiche Tributebands machen auch ein junges Publikum mit dem Werk des britischen Sängers und Songschreibers bekannt, der am 5. September 80 Jahre alt geworden wäre. Er starb 1991 im Alter von 45 Jahren an einer Lungenentzündung infolge seiner Aids-Erkrankung.
Der indischstämmige Musiker war einer der schillerndsten Paradiesvögel des Rock. Berühmt sind seine theatralischen Livekonzerte, bei denen er in bunten Fantasiekostümen über die Bühne tänzelte und das Publikum durch seine ungeheure Präsenz bannte. Mercury, der 1946 als Farrokh Bulsara auf der ostafrikanischen Insel Sansibar geboren wurde, beeinflusst mit seinen Bandkollegen von "Queen" bis heute zahllose Musiker. Mehr als 300 Millionen Tonträger hat die Band verkauft.
"Freddie war ein sympathischer, größenwahnsinniger Einzelgänger, ein liebevoller Exzentriker", so beschreibt Valentin Findling sein großes Vorbild. Der 31-jährige in Heidelberg lebende Musiker ist mit seinem Tribute-Projekt "The Music of Queen" in Deutschland und den Nachbarländern unterwegs, rund 100 Shows spielen sie im Jahr. Unverwechselbar sei die wandlungsfähige Stimme des Mannes, die mit großem Tonumfang tiefe menschliche Gefühle transportiere.
Unter tausenden Sängern sei Mercury "sofort herauszuhören", sagt auch Musikjournalist und Fotograf Hajo Of aus dem badischen Hambrücken. Den Künstler habe "eine Aura des geheimnisvollen Typen" umweht. Mercurys Leben auf der Überholspur mit harter musikalischer Arbeit, Partys, Liebesabenteuern und Drogeneskapaden - und auch sein früher Tod - hätten zur Legendenbildung geführt.
Faszinierend bleibe, wie Mercury und seine Band vor allem auf den frühen Alben mit Songs wie "Killer Queen", "White Queen" oder "Seven Seas Of Rhye" mit ausgefeilten Arrangements und Studiotechnik dichte, orchestrale Klangwände erzeugt hätten, sagt Of. "Keine Synthesizers!" ließen die jungen Briten in die Begleittexte ihrer ersten fünf Alben drucken. Sie erzeugten den opulenten Klang stattdessen durch mehrspurig aufgenommene Gitarrenparts und Chöre. Das operettenhafte "Bohemian Rhapsody" (1975) gilt als einer besten Rockstücke überhaupt, der Film dazu war eines der frühesten Musikvideos.
"Queen"-Gitarrist Brian May gibt heute als grau gelockte Eminenz den "Nachlassverwalter" von "Queen". Der 79-jährige promovierte Astrophysiker ging nach Mercurys Tod gemeinsam mit Schlagzeuger Roger Taylor und Gastsängern auf Tour.
Mercury genoss das Nachtleben von München
Zu Deutschland hatte Mercury eine ganz besondere Beziehung. Er war zwischen 1979 und 1985 regelmäßig in München zu Besuch, nahm dort mit "Queen" und als Solokünstler Alben auf und lebte zeitweise mit der Schauspielerin Barbara Valentin zusammen. Mit ihr zog er durch das Nachtleben und lebte auch seine Bisexualität aus. In München, wo Stadtführungen auf den Spuren des "Queen"-Sängers angeboten werden, habe dieser ein Zuhause gefunden und seine Freiheit genossen, glaubt Musiker Findling.
Bis heute ist Mercury auch eine Ikone der queeren Bewegung. Im Spiel mit Masken und Rollen setzte er sich über geschlechtliche Normen hinweg. Im Video zu "I Want To Break Free" (1984) gibt er die schnauzbärtige Hausfrau, die lasziv den Staubsauger durch die Wohnung schiebt und ihre Freiheitsträume besingt.
Zum Ende der "Queen"-Shows stolzierte der ehemalige Kunststudent gerne als androgyne Königsgestalt über die Bühne: den Oberkörper frei, in einen Hermelinmantel gehüllt und mit Krone auf dem Kopf. In den 1980er Jahren erreichte "Queen" mit kommerziellen Poprock-Hits wie "Radio Gaga" den Höhepunkt ihres Erfolgs.
Bestes Rockkonzert als Macho im Muskelshirt
Als das beste Queen-Konzert und vielleicht das beste Konzert der Rockgeschichte überhaupt gilt bei Musikkritikern und Fans der 20-minütige "Live Aid"-Auftritt in London im Jahr 1985. Mercury wirbelt bei dem Benefizkonzert für Betroffene einer Hungerkatastrophe in Äthiopien als überdrehter Macho im Muskelshirt über die Bühne.
Mercurys Tod am 24. November 1991 rückte das Thema HIV-Infektionen mehr in den Blickpunkt. Die von den verbliebenen "Queen"-Musikern gegründete Stiftung "Mercury Phoenix Trust" hat seit 1992 mehr als 20 Millionen Euro für Projekte im globalen Kampf gegen Aids gesammelt. Erst einen Tag vor seinem Tod erklärte Mercury öffentlich, an Aids erkrankt zu sein. Mit dem Song "The Show Must Go On" auf dem Queen"-Album "Innuendo" (1991) hatte er bereits sein musikalisches Testament geliefert.
Die offizielle Party des "Mercury Phoenix Trust" zum 80. Geburtstag von Freddie Mercury, "The Great Pretender’s Gala", findet am 5. September im Casino des schweizerischen Montreux statt. Dort werden auch vom 2. bis 6. September die jährlichen "Freddie Days" mit Live-Musik und Ausstellungen gefeiert. Mercury wohnte und arbeitete zeitweise in der Stadt am Genfer See, seit 1996 erinnert dort eine Bronzestatue an ihn. Infos: https://www.freddie-days.com/ Stadtführungen auf den Spuren von Freddie Mercury und "Queen" werden in München angebote.: https://s.epd.de/3xin Am 5. September gibt es auch einen "Queen Unplugged"-Abend im Mannheimer Musikclub "Capitol". Bei der Show "We Want to Live Forever" des "Capitol"-Ensembles um 20 Uhr ist auch ein Streichquartett mit Musikern der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz dabei. https://s.epd.de/3xim



