Dresden (epd). Der Dresdner katholische Bischof Heinrich Timmerevers ist vorzeitig zurückgetreten. Der 74-Jährige legte sein Bischofsamt am Mittwoch offiziell nieder. Papst Leo XIV. habe den Amtsverzicht angenommen, teilte das Bistum Dresden-Meißen in Dresden mit. Damit trete die sogenannte „Sedisvakanz“ ein, während der der Bischofsstuhl der Dresdner Kathedrale im wörtlichen Sinn unbesetzt sei.
Als einen Grund für seinen Rücktritt führte Timmerevers sein Alter an. „Die Zeiten der Erholung werden größer“, sagte der emeritierte Bischof. In einem solchen Amt sei „nicht verantwortbar, dass man es laufen lässt“. Zugleich betonte Timmerevers: „Niemand und nichts hat mich zu meiner Entscheidung gedrängt.“ Es gebe „keinen äußeren Anlass oder akute gesundheitliche Gründe“.
Kritik an Amtsführung
Zur Kritik an seiner Amtsführung beim Thema Aufarbeitung sexualisierter Gewalt sagte Timmerevers: „Wir sehen, wie schwierig das Thema ist.“ Auch in der Aufarbeitungskommission voranzukommen, sei nicht leicht gewesen. „Dies war aber für mich nicht der Grund zu sagen, ich werfe jetzt das Handtuch.“
In einer Mitteilung hieß es zuvor, Timmerevers habe beschlossen, die Leitung des Bistums Dresden-Meißen „in jüngere Hände zu übergeben“. Bereits im Februar hat er nach eigenen Angaben in Rom um Entpflichtung gebeten und „dieses Ersuchen dem Heiligen Vater auch im persönlichen Gespräch bei einer Audienz erläutert“.
Nachfolgersuche kann ein Jahr dauern
Timmerevers war zehn Jahre lang Bischof des sächsisch-ostthüringischen Bistums Dresden-Meißen mit knapp 125.000 Kirchenmitgliedern. Die Leitung der Diözese geht nun vorläufig auf das Domkapitel St. Petri in Dresden über. Es werde ein Diözesanadministrator eingesetzt, hieß es. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger dauert dem Bistum zufolge bis zu einem Jahr.
Katholische Bischöfe bieten dem Papst üblicherweise mit 75 Jahren ihren Rücktritt an. Timmerevers war in der Vergangenheit wegen seiner Amtsführung immer wieder in die Kritik geraten. Neben der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt betraf diese etwa die Schließung kirchlicher Einrichtungen und Strukturreformen innerhalb der Diözese. Auch die Kosten von rund 48 Millionen Euro für den Neubau des Bischofssitzes in Dresden sorgten für Ärger.
Kretschmer würdigt „fruchtbare Zusammenarbeit“
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte, die Begegnungen mit Timmerevers seien „von Respekt und gegenseitigem Vertrauen geprägt“ gewesen. „Es gab eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit mit der Staatsregierung.“
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, bedauerte den Rücktritt. Timmerevers habe Kirche als soziale Gestalt sowie als lebendigen Ort des Glaubens erfahrbar gemacht.
Ökumene intensiv gepflegt
Sachsens evangelischer Landesbischof Tobias Bilz lobte „die gute ökumenische Zusammenarbeit, die von großem Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägt war“.
Der katholische Geistliche hatte 1980 die Priesterweihe. Am Samstag wollte er in Dresden seine 25-jährige Bischofsweihe feiern, nun wird es eine Abschiedsfeier in den Ruhestand. Timmerevers war 2001 von Papst Johannes Paul II. (1920-2005) in Münster zum Weihbischof ernannt worden.



