Regierung will Förderung in Kitas mit neuen Standards verbessern

Regierung will Förderung in Kitas mit neuen Standards verbessern
Verbindliche Erfassung der kindlichen Fähigkeiten, mehr Kapazitäten bei großem Unterstützungsbedarf: Das Kabinett hat neue Vorgaben für Kitas auf den Weg gebracht. Gleichzeitig sehen sich viele Einrichtungen mit Personalproblemen konfrontiert.
02.09.2026
epd
Von Christina Neuhaus (epd)

Berlin (epd). Die Bundesregierung will die frühkindliche Bildung mit der Einführung einheitlicher Kita-Standards voranbringen. Künftig sollen bei allen Vierjährigen die Sprachentwicklung und weitere Fähigkeiten dokumentiert werden, wie das Bundeskabinett am Mittwoch auf Initiative des Bundesfamilienministeriums beschloss. Wenn sich dabei Defizite zeigen, sollen entsprechende Fördermaßnahmen folgen. Unterdessen weist der Paritätische auf die anhaltenden Personalprobleme vieler Kitas hin.

Familienministerin Karin Prien (CDU) nannte das Gesetzesvorhaben „eine entscheidende bildungspolitische Weichenstellung für unser Land“. Der Bildungs- und Lebensweg von Kindern „hängt immer noch viel zu stark davon ab, woher ein Kind kommt, aus welcher Familie es stammt, wie der Bildungsstand der Eltern ist“, sagte sie in Berlin. „Die Schere öffnet sich sehr früh“, deshalb müsse im Kita-Alter angesetzt werden. Es gehe darum, „mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen und die Startchancen von Kindern endlich zu verbessern“.

Mehr als neun Milliarden Euro zusätzlich für Länder

Für die neuen Aufgaben sollen die Kitas dem Gesetzentwurf zufolge feste personelle Kapazitäten bekommen. Zusätzliches Personal ist außerdem für Einrichtungen vorgesehen, die einen „erhöhten Anteil von Kindern in herausfordernden Lebenslagen“ haben. Dazu zählen Kinder aus armen Familien, mit geringen Deutschkenntnissen und von Eltern mit niedrigen formalen Bildungsabschlüssen. Mindestens zehn Prozent der Kitas in jedem Bundesland sollen von den zusätzlichen Mitteln profitieren.

Die verschiedenen Vorschriften sollen ab 2027 stufenweise in Kraft treten. Für die erwarteten Kosten stellt der Bund den Ländern rund 9,25 Milliarden Euro für den Zeitraum bis 2034 in Aussicht.

SPD-Politikerin findet Vorgaben zu detailliert

Mit dem Entwurf befassen sich als Nächstes der Bundestag und der Bundesrat. Die familienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Jasmina Hostert, meldete bereits Änderungsbedarf an: Der Gesetzentwurf enthalte bei der Sprachförderung „sehr detaillierte Vorgaben“. Hier sei „mehr Vertrauen in die Fachpraxis“ sinnvoll, erklärte Hostert in Berlin.

Die Grünen-Bildungspolitikerin Anja Reinalter lobte die Intention des Gesetzentwurfs, kritisierte aber die Finanzplanung. Während der Bund 2025 und 2026 rund zwei Milliarden Euro jährlich in die frühkindliche Bildung gesteckt habe, sinke dieser Betrag mit dem geplanten Gesetz in den nächsten Jahren deutlich auf etwa die Hälfte. „Statt der massiven Kürzungen braucht es einen Aufwuchs um mindestens eine Milliarde“, erklärte Reinalter.

Paritätischer: Zehntausende Stellen unbesetzt

In vielen Kitas herrscht laut einer Befragung des Paritätischen Gesamtverbands weiter Personalmangel. Bundesweit seien etwa 49.000 Stellen wegen fehlender Fachkräfte nicht besetzt, auf weiteren 58.000 Stellen gebe es Ausfälle wegen längerer Abwesenheiten, erklärte der Verband am Mittwoch. Sein Bericht basiert auf einer Befragung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in bundesweit 3.267 Kindertageseinrichtungen. Eine deutliche Mehrheit von 65,3 Prozent äußerte die Ansicht, der für ihre Einrichtung geltende Personalschlüssel reiche nicht aus, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden.