Berlin (epd). Die Neuordnung der Pflegegrade könnte einer Studie zufolge nur halb so viel Geld einsparen wie erwartet. Statt der geplanten vier Milliarden Euro jährlich ab dem Jahr 2030 werde die Reform nur zwei Milliarden Euro einbringen, teilte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) am Mittwoch in Berlin auf Grundlage einer eigenen Analyse mit.
Laut den Sparplänen der Bundesregierung im Pflegeneuordnungsgesetz sollen die Voraussetzungen für eine Einstufung in die Pflegegrade 1, 2 und 3 angehoben werden. Bestehende Einstufungen sollen davon unberührt bleiben.
Häufungen in Übergangsbereichen
Das WIdO wertete für seine Analyse Daten von 1,1 Millionen AOK-Versicherten aus, die der Medizinische Dienst im Jahr 2024 begutachtet und gegebenenfalls in Pflegegrade eingestuft hatte. Demnach seien Versicherte besonders häufig so eingestuft worden, dass sie gerade noch den nächsthöheren Pflegegrad erreichten. So lagen knapp 21 Prozent der Erstbegutachtungen und rund 16 Prozent der Höherstufungen knapp oberhalb der Schwellenwerte.
Diese Häufungen in Übergangsbereichen, bekannt als Bunching-Effekt, erwartet das WIdO auch nach Inkrafttreten einer Reform. „Die bisher feststellbaren Häufungen von Bewertungen werden demnach nicht an den ursprünglichen Grenzen bleiben, sondern sich an die neuen Grenzen verlagern“, hieß es. Hinzu kämen Anreize, Anträge für eine Einstufung in einen Pflegegrad vor Inkrafttreten der Reform zu stellen. Das WIdO empfahl, nicht allein die Schwellenwerte anzuheben, sondern auch das Begutachtungssystem zu reformieren.



