Berlin (epd). Sorge vor Wohnungsverlust und Einschränkungen an anderer Stelle: Die Kosten für die Miete stellen viele Menschen vor existenzielle Herausforderungen. Wie aus dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Mietenreport des Deutschen Mieterbundes hervorgeht, hat fast ein Drittel (29 Prozent) der Mieterinnen und Mieter Angst, die Kosten für die Wohnung zukünftig nicht mehr tragen zu können. 58 Prozent berichteten, ihre Wohnkosten seien im vergangenen Jahr gestiegen. Rund die Hälfte der Mieterinnen und Mieter gab in der für den Report beauftragten Umfrage an, wegen der Miete auf Investitionen in die Altersvorsorge verzichtet oder sich bei Urlaub und notwendigen Anschaffungen beschränkt zu haben.
„Die Wohnungskrise wird zur Sozialstaatskrise“, sagte die Präsidentin des Mieterbundes, Melanie Weber-Moritz, bei der Vorstellung des Reports. Sie hob hervor, dass ein Viertel der Mieterinnen und Mieter in der Umfrage angab, sogar an gesunden Lebensmitteln zu sparen, um sich die Wohnung leisten zu können. Für die repräsentative Umfrage wurden den Angaben zufolge Ende Juni und Anfang Juli 1.021 Mieterinnen und Mieter vom Meinungsforschungsinstitut forsa befragt.
Mieterbund kritisiert Kürzungspläne beim Wohngeld
Für den Report wurden Weber-Moritz zufolge zudem Statistiken und Studien ausgewertet. Sie zeigten, dass Deutschland nach wie vor ein Land der Mieterinnen und Mieter sei. Gut die Hälfte der Bevölkerung (52,8 Prozent) wohnt demnach zur Miete. Europaweit sei das der erste Platz.
Die Präsidentin des Mieterbundes kritisierte in scharfer Form die Pläne der Koalition von Union und SPD, beim Wohngeld zu sparen. „Leistungskürzungen senken keine Mieten“, sagte Weber-Moritz. Es drohe vielmehr, dass die von Kürzungen betroffenen Haushalte dann in andere, häufig teurere Sicherungssysteme wechseln müssten. Der Mieterbund forderte stattdessen Maßnahmen, die den Mietenanstieg stoppen, bezahlbare Wohnungen schaffen und Mieterrechte stärken.
Sozialbindung soll nicht auslaufen
„Einmal Sozialwohnung, immer Sozialwohnung“, nannte Weber-Moritz als eine mögliche konkrete Maßnahme. Es solle verhindert werden, dass Wohnungen, die als Sozialwohnungen gebaut wurden, nach 15 bis 30 Jahren nicht mehr als solche vermietet werden. Laut Weber-Moritz liefen 2025 mehr als doppelt so viele Sozialbindungen aus, als neue Sozialwohnungen geschaffen wurden.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. Der stellvertretende Vorsitzende des DGB, Stefan Körzell, sagte, es brauche einen starken Mieterschutz und konsequentes Vorgehen gegen Mietwucher. Der Markt würde die Krise nicht lösen. Stattdessen solle der Staat in gemeinnützigen und sozialen Wohnungsbau investieren.
Linke fordert Mietendeckel
Caren Lay, die wohnungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, sagte: „Die stetig steigenden Wohnkosten und die Angst, die eigene Mietwohnung zu verlieren oder gar nicht erst eine zu finden, belasten breite Kreise der Bevölkerung finanziell und psychisch immer mehr.“ Damit Wohnen bezahlbar werde, brauche es einen bundesweiten Mietendeckel und ein öffentliches Investitionsprogramm für die massive Schaffung gemeinnütziger und genossenschaftlicher Wohnungen.



