Bischof Kramer beklagt "Grenzüberschreitungen" der AfD

Bischof Kramer beklagt "Grenzüberschreitungen" der AfD
Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt weist Bischof Kramer auf die Folgen einer möglichen AfD-Regierung hin. Gerade Minderheiten, Frauen, Kultur und Kirche würden darunter leiden. Zugleich rief er dazu auf, im Gespräch zu bleiben.

Berlin (epd). Der Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, hat vor den zivilgesellschaftlichen Auswirkungen eines AfD-Wahlerfolgs in Sachsen-Anhalt gewarnt. Für Menschen mit Migrationshintergrund wären die Folgen „verheerend“, das Frauenbild und der Kulturbereich werde in der Programmatik der AfD „massiv beschnitten und auf Linie gebracht“, sagte der Bischof am Montag im TV-Nachrichtensender Phoenix. Zudem nehme die Partei die Trennung zwischen Staat und Kirche nicht ernst. Die AfD wolle den Kirchen erklären „wer die richtigen Kirchen sind, wie wir uns zu verhalten haben, was das Evangelium ist“, beklagte Kramer.

Dabei handele es sich um „Grenzüberschreitungen, gegen die wir ganz klar unsere Stimme erheben“. Die Kirche wolle ihre „prophetische Stimme wahrnehmen, dass die Leute wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie diese Partei wählen“. Gerade im Osten sei die „antikirchliche Programmatik ganz klar“, sagte Kramer. „Wir stellen uns auf sehr, sehr harte Zeiten ein.“ Am Sonntag wird in Sachsen-Anhalt gewählt.

AfD nicht mit Werten der Kirche vereinbar

Kramer erklärte, die Kirche besitze keine parteipolitische Brille, sondern richte sich nach dem Evangelium. Darin habe Jesus gesagt: „Ich bin fremd gewesen, ihr habt mich aufgenommen.“ Eine Partei, die Fremde abschieben will, sei mit den Werten der Kirche nicht vereinbar.

Zugleich plädierte Kramer dafür, auch AfD-Wählern freundlich zu begegnen. Die Kirche öffne ihre Räume für viele Formen des Austauschs: „Da fallen einem dann die Ohren ab, wenn man zuhört. Aber es ist gleichzeitig wichtig, im Gespräch zu bleiben und sich einander zuzumuten.“