Berlin (epd). Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind im ersten Halbjahr 2026 einem Bericht zufolge deutlich langsamer gesunken, als zum Erreichen der gesetzlich verankerten Klimaziele nötig wäre. Wie die Denkfabrik Agora Energiewende am Freitag auf Basis vorläufiger Schätzungen mitteilte, sanken die Emissionen seit Jahresbeginn lediglich um 7 Millionen Tonnen des sogenannten CO2-Äquivalents auf insgesamt 327 Millionen Tonnen. Sollten sich die Emissionen in diesem Tempo weiterentwickeln, werde die Bundesrepublik 2026 erstmals ihr gesetzliches Klimaziel verfehlen, prognostizierte die Organisation. Das Bundesumweltministerium wies die Zahlen jedoch als verfrühte Schätzung zurück.
Für das Gesamtjahr seien Emissionen von 635 Millionen Tonnen zu erwarten, heißt es in dem Bericht der Lobbyorganisation. Anders als in den Vorjahren würden die Klimaziele damit nicht erreicht. Mit dem Klimaschutzgesetz hat sich Deutschland verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu verringern. Das entspricht einem CO2-Äquivalent von 439 Millionen Tonnen für das gesamte Jahr. CO2-Äquivalent ist eine Maßeinheit, um die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase miteinander vergleichen zu können.
Elektrifizierung kommt nicht schnell genug voran
Dem Agora-Bericht zufolge hatten steigende Absatzzahlen von Wärmepumpen und E-Autos zwar positive Auswirkungen auf die deutsche Klimabilanz. Insgesamt schreite die Elektrifizierung jedoch nicht schnell genug voran, um die Klimaziele zu erreichen. Haupttreiber der sinkenden Emissionen seien die hohen Energiepreise infolge der Blockade der Straße von Hormus gewesen. „Das erste Halbjahr 2026 steht deutlich im Zeichen der fossilen Energiepreiskrise: Erneut wird die deutsche Wirtschaft schmerzhaft von fossilen Preisschocks getroffen“, erklärte Agora-Direktorin Julia Bläsius.
Von der Bundesregierung forderte die Denkfabrik „Planungssicherheit für klimafreundliche Investitionen“, eine krisensichere Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen und „Preissignale in Richtung Transformation“. Auch der Expertenrat für Klimafragen warnte im Mai vor einer drohenden Zielverfehlung.
Umweltministerium: Prognosen noch verfrüht
Das Bundesumweltministerium kritisierte die Zahlen von Agora Energiewende als „unterjährige Schätzungen“, aus denen sich noch keine seriöse Aussage über das ganze Jahr ableiten ließen. Das Ministerium werde bis zum 15. März 2027 eine belastbare Jahresbilanz der Emissionsdaten vorlegen. Viele ausschlaggebende Entwicklungen hätten Einfluss auf die tatsächliche Bilanz und ließen sich erst nach Abschluss des Jahres bewerten, etwa witterungsbedingte Faktoren, die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien und die wirtschaftliche Entwicklung.
Die Bundesregierung habe mit dem Klimaschutzprogramm zudem erst im März zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen beschlossen, die aktuell umgesetzt und deren Auswirkungen auf den Treibhausgasausstoß sich erst später zeigen würden. 7,6 Milliarden Euro zusätzliche Mittel seien ab 2027 im Klima- und Transformationsfonds bereitgestellt sowie 400 Millionen Euro aus dem Sondervermögen. Insbesondere im Sektor Verkehr sei es durch wachsende Akzeptanz der E-Mobilität zu einem „echten Hochlauf“ gekommen: „Im Juli war fast jedes dritte neu zugelassene Auto ein E-Auto“, erklärte ein Ministeriumssprecher. Dies sei eine deutliche Erhöhung gegenüber dem ersten Halbjahr.



