Frankfurt am Main, Lagos (epd). In Nigeria haben bewaffnete Gruppen innerhalb eines Jahres durch Lösegeldzahlungen laut einem Bericht fast fünf Millionen Euro eingenommen. Das sei mehr als das Dreifache der durch Entführungen generierten Einkünfte, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des nigerianischen Beratungsunternehmens SBM Intelligence. Demnach betrugen die Einkünfte durch Lösegeldforderungen zwischen Juli 2025 und Juni 2026 etwa 7,78 Milliarden Naira (fast fünf Millionen Euro), im Vergleich zu 2,56 Milliarden Naira im Vorjahreszeitraum.
Laut der Studie wurden in dem Zeitraum mindestens 7.825 Menschen verschleppt. Zwar sei insgesamt deutlich weniger Lösegeld als im Vorjahr gefordert worden, erklärte SBM. Gleichzeitig aber stieg der tatsächlich gezahlte Anteil demnach von 5,35 auf 34 Prozent. Hinter dem Anstieg steht dem Bericht zufolge vor allem eine Fraktion der islamistischen Terrororganisation Boko Haram. Deren Ableger JAS kassierte allein bei acht Entführungen rund 90 Prozent der insgesamt gezahlten Lösegelder.
Lösegeldzahlung garantiert keine Freilassung
Zwei Massenentführungen spielen dabei eine Schlüsselrolle: Für 416 Menschen, die im nördlichen Bundesstaat Borno verschleppt worden waren, wurden fünf Milliarden Naira (etwa 3,1 Millionen Euro) gezahlt, weitere zwei Milliarden Naira (rund 1,3 Millionen Euro) flossen für 315 Schüler und Beschäftigte einer Schule im Bundesstaat Niger. Während andere Entführer insgesamt 13,5 Milliarden Naira forderten, davon aber lediglich 719 Millionen Naira erhielten, kassierte die JAS rund sieben Milliarden von 9,2 verlangten Milliarden Naira.
Geografisch konzentrieren sich die Entführungen mit einem Anteil von knapp 94 Prozent auf den Norden des Landes. In 75,5 Prozent aller Fälle handelte es sich zudem um Massenentführungen, unter anderem von Schulkindern. Dabei garantiert eine Lösegeldzahlung jedoch nicht die Freilassung. In mindestens sechs Fällen wurden Geiseln nach der Zahlung getötet.
Seit Jahren beschäftigen die zunehmenden Entführungen das westafrikanische Land. Präsident Bola Tinubu strebt im Januar die Wiederwahl an. Bereits während seines ersten Wahlkampfes war Sicherheit eines der zentralen Themen. Seither hat sich die Lage jedoch weiter zugespitzt.



