Köln (epd). Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki warnt vor einem möglichen Ende der christlichen Gemeinden im von Israel besetzten Westjordanland. Zwischen wirtschaftlicher Not und dem Druck durch extremistische jüdische Siedler in der Westbank sähen viele Christen keine Perspektive mehr, erklärte Woelki nach Angaben des Erzbistums am Donnerstag während seiner Nahostreise. Zahlreiche palästinensische Christen hätten das Land bereits verlassen. „Als Kirche müssen wir die Probleme der Christen hier klar benennen und uns für christliches Leben im Heiligen Land einsetzen“, sagte der Kardinal.
An den ersten Tagen seiner etwa einwöchigen Reise besuchte Woelki den Angaben zufolge vor allem christliche Gemeinden im Westjordanland und in Jerusalem. „Besonders junge Menschen glauben hier nicht an eine Zukunft. Viele finden keine Arbeit, leben in Armut“, erklärte der Erzbischof. Mitunter wohnten ganze Familien in Hinterhofhäusern, in denen ein einziger Raum als Wohn-, Ess- und Schlafzimmer diene.
Jüdische Siedler gehen teils mit Waffengewalt vor
Laut Woelki verschärfen die Aktivitäten jüdischer Siedler die Lage zusätzlich. Entlang vieler Straßen in der Westbank würden auf palästinensischem Gebiet lange Reihen israelischer Flaggen aufgestellt. „Die Botschaft ist klar: Das ist unser Land, ihr habt hier keine Ansprüche.“ Diese Haltung setzten die Siedler teils mit Waffengewalt durch, um christliche wie muslimische Palästinenser zu verdrängen.
Woelki hofft auf Akteure im Nahen Osten, die bereit sind, sich für eine Annäherung der verschiedenen Gruppen einzusetzen. Für die Palästinenser müsse es möglich sein, in Selbstbestimmung und Freiheit zu leben. „Gleichzeitig darf niemand das Existenzrecht Israels infrage stellen“, betonte der Kardinal. Aber Gewalt erzeuge lediglich neue Gewalt.
Als Präsident des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande und als Erzbischof von Köln sagte Woelki den Kirchen der Region auch weiterhin Unterstützung zu. Der Verein und das Erzbistum fördern und betreiben unter anderem Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime und Sozialprojekte.



