Geisenheim (epd). Weinbauern werden in Zukunft laut dem Agrarexperten Manfred Stoll stärker auf Rebsorten setzen, die eine größere Widerstandskraft gegen Trockenheit und Hitze aufweisen. Sorten aus Südeuropa würden in Deutschland seit Jahrzehnten zunehmend angepflanzt, sagte der Leiter des Instituts für allgemeinen und ökologischen Weinbau der Hochschule Geisenheim im hessischen Rheingau dem Evangelischen Pressedienst (epd). Darunter seien der Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon, aber auch der Albariño aus Portugal oder der Assyrtiko aus Griechenland.
Interessant für Weinbauern seien zudem Rebsorten, die widerstandsfähig gegen Krankheiten seien und daher weniger Pflanzenschutzmittel brauchen, erläuterte Stoll. Unter ihnen böten etwa die Calardis-Sorten sowie Sauvignac, Fidelio oder Souvignier Gris Potenzial für die Weinherstellung. Die Anlage eines Weinbergs sei eine Investition, die sich über Jahrzehnte amortisieren müsse, unterstrich der Wissenschaftler. Junge Reben bis zum siebten oder achten Jahr seien besonders durch Trockenheit gefährdet, weil ihre Wurzeln noch nicht metertief reichten. „Wasser wird die größte Herausforderung“, sagte Stoll.
Tankwagen gleichen Regen nicht aus
Eine Bewässerungsinfrastruktur gebe es in klassischen Weinlagen nicht. Die Winzer müssten bei Trockenheit das Wasser mit Tanks in den Weinberg fahren. Dabei fasse ein Wagen nur einen geringen Teil der Menge eines Sommerregens, und ein Teil des versprühten Wassers verdunste gleich. Wirksamer sei die praktizierte Bewässerung durch Tropfschläuche an den Reben. Am effizientesten sei die Bewässerung mittels Perlschläuchen unter der Erde, die es aber bisher selten gebe. Die Renaturierung von Entwässerungsgräben, das Säen von Blütenmischungen und eine Flurbereicherung durch Kräuter, Sträucher und Hecken verringere den Abfluss von Niederschlägen und lasse den Boden mehr Wasser aufnehmen.
Photovoltaik-Anlagen können Reben beschatten oder wärmen
Gegen einen Sonnenbrand würden Weinreben in trocken-heißen Gebieten durch Beschattungsnetze geschützt, erläuterte der Wissenschaftler. Die Hochschule Geisenheim experimentiere erfolgreich mit schattenspendenden Photovoltaik-Anlagen über Reben - einer doppelten Flächennutzung. Die Anlagen könnten zudem Heizdrähte zum Schutz bei Spätfrösten emissionsfrei erwärmen. Denn das Risiko, dass Triebe durch späte Fröste erfrieren, nehme zu, weil die Reben aufgrund der steigenden Temperaturen im Frühjahr früher austreiben.
Um die am meisten angebauten Rebsorten in Deutschland, den weißen Riesling und den roten Spätburgunder, müsse man sich nicht sorgen, sagte Stoll. Diese Sorten seien sehr anpassungsfähig und werden auch international angebaut. Allerdings könne sich durch die Klimaerhitzung die Weinstilistik ändern: „Die leichten Weine werden gehaltvoller, säureärmer und alkoholstärker.“



