Kinderhilfswerk Unicef: Hungerkrise in Afghanistan spitzt sich zu

Kinderhilfswerk Unicef: Hungerkrise in Afghanistan spitzt sich zu
Die Zahl mangelernährter Kinder in Afghanistan nimmt zu. Wegen fehlender finanzieller Mittel mussten in diesem Jahr mehr als 100 Zentren für ihre Behandlung schließen.

Genf (epd). Die Hungerkrise unter Kindern in Afghanistan spitzt sich laut Unicef immer weiter zu. Rund 3,7 Millionen Kinder in dem krisengebeutelten Land litten an akuter Mangelernährung, erklärte Leiter des UN-Hilfswerks in Afghanistan, Tajudeen Oyewale, am Dienstag in Genf. Eine Million von ihnen seien in Lebensgefahr.

Rund 40 Prozent der Kinder, die mit schwerer akuter Mangelernährung und medizinischen Komplikationen in ein Krankenhaus aufgenommen würden, seien jünger als sechs Monate. Die Krankenhäuser stehen Oyewale zufolge massiv unter Druck. Seit Jahresbeginn seien mehr als eine halbe Million Mädchen und Jungen wegen akuter Mangelernährung aufgenommen. Die Zahl der Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung und medizinischen Komplikationen sei binnen eines Jahres um ein Drittel gestiegen.

In Teilen Südafghanistans kommen den Angaben nach in einigen Krankenhäusern inzwischen drei oder vier schwer mangelernährte Kinder auf jedes verfügbare Bett. Wegen fehlender finanzieller Mittel mussten laut Unicef in diesem Jahr bereits mehr als 100 Zentren zur Behandlung schwer mangelernährter Kinder schließen.

Sechs Millionen Menschen kehrten zurück

Die Ursachen für den Hunger sind laut Unicef vielfältig. Auf mehrere Dürrejahre seien Starkregen und Sturzfluten gefolgt. Durch das diesjährige besonders starke El-Niño-Phänomen dürften die Extremwetterereignisse zunehmen. Zudem seien seit 2023 sechs Millionen geflüchtete Menschen nach Afghanistan zurückgekehrt, mehr als die Hälfte von ihnen Kinder.

In Afghanistan herrschen seit 2021 erneut die islamistischen Taliban. Besonders der weibliche Teil der Bevölkerung leidet unter ihrem Regime.