Hamburg (epd). Die Hamburger Verlegerin Julia Bielenberg hat sich besorgt über die Lesekompetenz von Kindern in Deutschland geäußert. „In Berlin können knapp 50 Prozent der Kinder in den dritten Klassen nicht mehr lesen. Deutschlandweit kann jedes vierte Kind nach der vierten Klasse nicht mehr sinnentnehmend lesen“, sagte die Leiterin des Medienhauses Oetinger im Podcast-Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „Capital“ (Dienstag/Online): „Selbst wenn sie die Buchstaben irgendwie zusammenbringen, verstehen Sie den Inhalt nicht. Das ist unglaublich erschreckend.“
„Wenn die Kinder nicht mehr gebildet sind, wird diese Entwicklung drastisch zunehmen“, mahnte Bielenberg: „Wir brauchen eine Bildungsreform, die sich gewaschen hat, und zwar sofort. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.“ Das Problem werde in der Politik viel zu wenig gesehen. „Wer nicht lesen und nicht komplex denken kann, wird sich die einfachen Antworten suchen. Die sind im Zweifel am Rande unseres politischen Spektrums. Da können sie so viel über die Brandmauer reden, wie sie wollen.“
„Riesige wirtschaftliche Auswirkungen“
Man müsse auch bei den Eltern ansetzen, sagte Bielenberg: „Die Kinder gucken sich vieles ab, auch beim Smartphonegebrauch. Wenn die Eltern von morgens bis abends am Smartphone hängen, ist das letztendlich ein Bild dafür, was im Moment passiert.“ Es werde nicht mehr kommuniziert mit den Kindern.
„Wir haben kein Rohöl. Wir haben nur die Bildung unserer Kinder, das ist unser Kapital, und wir vernachlässigen es sträflichst“, sagte Bielenberg. Sie fordert eine „Stärkung der Lehrer, damit sie nicht am System verzweifeln“ und eine frühkindliche Sprachförderung von zwei Jahren an.
Das Medienhaus Oetinger verlegt beliebte Klassiker wie Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“, Paul Maars „Das Sams“ und Cornelia Funkes „Tintenwelt“-Reihe sowie Spiel- und Lernprodukte.



