Frankfurt a.M. (epd). Die Initiative „Priester im Dialog“ kritisiert den harten Umgang der katholischen Kirche mit Priestern, die wegen einer Heirat ihr Amt aufgeben müssen. Es sei „ungerecht“ und eine „übertriebene Bestrafung“, wenn diese nach jahrzehntelangem Dienst wegen einer Heirat ihre berufliche Existenz und Teile ihrer Alterssicherung verlören, sagte Sprecher Edgar Büttner dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die geltenden Regeln schafften nur Verlierer: „Der Priester verliert seinen Beruf und seine Berufung, die Gemeinde einen engagierten Seelsorger und die Kirche an Glaubwürdigkeit.“
Im hessischen Oberursel hatte Andreas Unfried seinen Rücktritt als Pfarrer angekündigt. Als Grund nannte er seine bevorstehende Heirat. Er wurde nach Angaben des Bistums Limburg mit sofortiger Wirkung suspendiert.
Keine Exkommunikation
Die Initiative „Priester im Dialog“ setzt sich gemeinsam mit der Reformbewegung „Wir sind Kirche“ seit Jahren dafür ein, verheiratete oder aus dem Amt ausgeschiedene Priester wieder stärker in kirchliche Aufgaben einzubinden. Ein im März 2023 vom Reformprozess Synodaler Weg beschlossener Handlungstext fordere verbindliche und rechtssichere Regelungen, fügte der Diplom-Theologe und promovierte Philosoph Büttner hinzu, der selbst verheirateter Priester ist und heute als Coach Führungskräfte berät. Diese sollen sich an den Standards für andere pastorale Beschäftigte orientieren und Übergangshilfen ermöglichen.
Weil Unfried aus dem Klerikerstand entlassen wird, dürfe er keine Sakramente mehr spenden und keine Pfarrgemeinde mehr leiten, sagte Büttner weiter. Eine Heirat ziehe nicht automatisch eine Exkommunikation nach sich: „Das gibt es schon lange nicht mehr.“ Die kirchenrechtlichen Konsequenzen beträfen vielmehr die Ausübung des Priesteramts. Unfried stand fast 40 Jahre im kirchlichen Dienst.
Lösungen maßgeblich vom Bischof abhängig
Zur Frage, ob ein Bistum einem Priester wie Unfried eine andere Aufgabe anbieten könne, erklärte Büttner: „Rom erlaubt mehr als die Bischöfe de facto tun.“ In einzelnen Diözesen gebe es bereits Lösungen im Einzelfall, etwa eine Beschäftigung als Pastoralreferent oder in kirchlichen Einrichtungen oder als Religionslehrer. Ob dies geschehe, hänge jedoch weiterhin maßgeblich vom jeweiligen Bischof ab. Auch eine Mitarbeit in Gemeinden sei nach seiner Darstellung kirchenrechtlich nicht grundsätzlich ausgeschlossen, werde aber bislang nur selten ermöglicht.
Schätzungen zufolge sind laut Büttner seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er Jahren bis zu 2.000 Priester im deutschsprachigen Raum zumeist wegen Heirat aus dem priesterlichen Dienst entlassen worden, weltweit wohl mehr als 100.000. Vor fünf Jahren habe eine Umfrage ergeben, dass im Schnitt ein Priester pro Jahr pro Diözese geht.



