Bonn (epd). Ein Großteil der Menschen mit Behinderung hat laut einer Umfrage in den vergangenen Jahren Diskriminierung erlebt. Sechs von zehn Menschen (59 Prozent) mit Behinderung wurden in den vergangenen fünf Jahren nach eigenen Angaben in unterschiedlichen Alltagssituationen benachteiligt, wie aus einer am Dienstag in Bonn veröffentlichten Umfrage der Aktion Mensch hervorgeht. Das seien etwa doppelt so viele wie in der Gesamtbevölkerung.
Die Ergebnisse deckten sich mit denen des Vorjahres und zeichneten weiterhin ein „düsteres Bild der Lebensrealität von Menschen mit Behinderung“ in Deutschland, erklärte die Organisation. Die Betroffenen wurden demnach meist im öffentlichen Raum, durch staatliche Stellen, am Arbeitsplatz oder im Bereich Wohnen diskriminiert. Für mehr als ein Viertel der Befragten (29 Prozent) sei Diskriminierung ein ständiges Problem.
Viele Betroffene kennen Meldestellen nicht
Diskriminierung führt den Ergebnissen zufolge bei vielen Menschen zu Rückzug und schadet dem Selbstwertgefühl. 44 Prozent der Befragten, die Diskriminierung erlebten, hätten im Anschluss ähnliche Situationen vermieden. Ein Drittel (33 Prozent) habe sich nach einer Diskriminierungserfahrung als „nicht gut genug“ empfunden, hieß es. Jeder Fünfte (20 Prozent) habe sich selbst die Schuld für die Diskriminierung gegeben.
Die Sprecherin der Aktion Mensch, Christina Marx, betonte: „Viele Menschen mit Behinderung fühlen sich nicht sicher genug in der Gesellschaft verankert, um offiziell Beschwerde einzureichen.“ Die Organisation fordert von Melde- und Beratungsstellen, ihren Einsatz für die Rechte von Menschen mit Behinderung stärker nach außen zu tragen. Denn 37 Prozent der Betroffenen wüssten nicht, an wen sie sich bei Diskriminierung wenden können.
Für die Umfrage hat das Ipsos-Institut vom 2. bis 14. Juli 1.093 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland online befragt, darunter 593 Menschen mit Beeinträchtigung.



