Beauftragte: "Queerfeindlichkeit steigt vor allem im Alltag"

Beauftragte: "Queerfeindlichkeit steigt vor allem im Alltag"
Der Schutz sexueller Minderheiten ist seit dem Anschlag auf den Berliner CSD wieder verstärkt auf der politischen Agenda. Die Queer-Beauftragte der Bundesregierung hat dazu Vorschläge.

Berlin (epd). Die Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch (SPD), hat einen besseren Schutz der queeren Community angemahnt. Vier Wochen nach dem Attentat auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) sprach sich Koch am Dienstag im RBB-Inforadio dafür aus, das Diskriminierungsverbot im Grundgesetz zu erweitern. Zudem sollten queere Projekte gefördert und die Polizei bundesweit besser im Umgang mit Queerfeindlichkeit geschult werden.

„Da gibt es ganz klare, konkrete Forderungen“, sagte Koch: „Das eine wäre, das Grundgesetz in Artikel 3 zu ergänzen, damit wir zukünftig vor Diskriminierung geschützt werden und unsere Rechte nicht mehr zurückgenommen werden.“

Bedrohungen im Alltag

Nach dem Anschlag auf den CSD vom 25. Juli sei viel über Terrorismus gesprochen worden, aber zu wenig über die Gewalt, die jeden Tag passiere, sagte Koch: „Queerfeindlichkeit steigt vor allem im Alltag. Das heißt: Wir erleben mehr Gewalt, wir erleben mehr Hass im Netz, wir erleben mehr Diskriminierung.“

Bei dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den CSD in Berlin am 25. Juli war ein 21-Jähriger mit einem Kastenwagen in eine Menschenmenge gefahren und ging anschließend mit einer Stichwaffe auf Passanten los. Eine 65-jährige Polin wurde getötet, 31 Menschen wurden teils schwer verletzt. Der in Berlin aufgewachsene Mann wurde rund einen Tag nach dem Anschlag bei einem Polizeieinsatz erschossen.