Frankfurt a.M., Oberursel (epd). Der angekündigte Rückzug eines katholischen Pfarrers aus dem Amt wegen seiner Heiratsabsicht hat die Debatte über den Pflichtzölibat erneut belebt. Den Mut und die Ehrlichkeit von Andreas Unfried aus dem hessischen Oberursel würde man sich von vielen anderen Priestern wünschen, sagte der Sprecher der Reformbewegung „Wir sind Kirche“, Christian Weisner, am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die kirchenrechtliche Verpflichtung katholischer Priester zum Zölibat bleibe „himmelschreiend“. Unfried wurde vom Bistum Limburg mit sofortiger Wirkung suspendiert.
„Wir sind Kirche“ erwarte vom zuständigen hessischen Bistum Limburg, dass für Unfried eine angemessene Aufgabe gefunden wird, sagte Weisner. Es gehe auch darum, dass man in der römisch-katholischen Kirche Männer wie Frauen brauche, die priesterliche Dienste leisten können, damit es weiter christliche Gemeinden geben kann.
Heimliche Beziehung geführt
Unfried hatte am Samstag erklärt, es sei ihm immer klar gewesen, dass die katholische Kirche für die Ausübung des Priesteramts den Zölibat, die Ehelosigkeit, verlangt. „Ich habe dies auch nach Kräften versucht zu leben, muss aber anerkennen, dass ich dieses Charisma nicht wirklich in mir trage“, so Unfried. Seit vielen Jahren lebe er eine heimliche Beziehung: „Jetzt spüre ich, dass die Zeit gekommen ist, dieser zweiten Berufung nachzukommen.“
„Er spricht zu Recht von einer zweiten Berufung“, sagte Weisner. Auch die Ehe sei eine Berufung, eine Gabe beziehungsweise ein Charisma. Es sei dringend an der Zeit, dass sich die römisch-katholische Kirche dieser Möglichkeit öffne.
Weitere Pfarrer gaben im Bistum Limburg den Dienst auf
Pfarrer Unfried sei nach der Bekanntgabe seiner Heiratsabsicht mit sofortiger Wirkung suspendiert worden, sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle dem epd. Wie es in solchen Fällen mit den Betroffenen weitergehe, werde jeweils individuell vereinbart. „Es gibt hier keine pauschale Lösung“, fügte Schnelle hinzu. In den letzten 15 Jahren hätten sechs Priester aus dem Bistum ihren Dienst aufgegeben, weil sie den Zölibat nicht eingehalten hätten, sagte Schnelle.
Der Pfarrer der Pfarrei St. Ursula in Oberursel und Steinbach hatte während eines Besuchs des Limburger Bischofs Georg Bätzing eine persönliche Erklärung verlesen: „Seit vielen Jahren lebe ich heimlich die Beziehung zu meiner großen Liebe“, hieß es darin. Er sei seiner Kirche dankbar, dass sie sein Talent erkannt und gefördert habe. Seine Kirche habe er in 37 Dienstjahren „stets als förderlich und wohlwollend“ erfahren. Er hätte diese 37 Jahre aber nicht durchgehalten, wenn er sich nicht der Unterstützung seiner Lebenspartnerin hätte sicher sein können. „Sie hat lange auf mich gewartet. Dafür bin ich sehr dankbar. Nun ist es genug“, sagte Unfried.
Das Bistum respektiere seine persönliche Entscheidung, danke ihm für den jahrzehntelangen Dienst und wünsche ihm alles Gute für die Zukunft, sagte Schnelle. Die Pfarrei St. Ursula werde nun zunächst von einem Pfarrverwalter übernommen.



