Bischof Bentz: Aussage Ben-Gvirs widerspricht biblischen Menschenbild

Bischof Bentz: Aussage Ben-Gvirs widerspricht biblischen Menschenbild
Der israelische Minister Itamar Ben-Gvir sorgt mit einem Aufruf zur Tötung von Palästinensern im Gaza-Streifen für scharfe Kritik. Der Nahost-Beauftragte der katholischen Kirche mahnt, auch der Feind im Krieg bleibe ein Mensch.

Paderborn (epd). Der Nahost-Beauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Udo Markus Bentz, hat Äußerungen des israelischen Ministers Itamar Ben-Gvir kritisiert. „Die Forderung, täglich 30 bis 40 Personen im Gaza-Streifen zu töten, zeigt ein erschreckendes Ausmaß an Verrohung und Menschenverachtung, das niemandem gestattet ist und erst recht nicht einem Minister, dem die öffentliche Sicherheit anvertraut ist“, sagte der Paderborner Erzbischof am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

In einem Podcast hatte der rechtsextreme und religiös-fundamentalistische Ben-Gvir befürwortet, im Gaza-Streifen jeden Tag 30 bis 40 Palästinenser zu töten. In dem palästinensischen Küstenstreifen gebe es Menschen, die es nicht verdient hätten zu leben, erklärte er und bezog sich dabei nicht nur auf Menschen, die eine unmittelbare Gefahr für israelische Soldaten darstellen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte die Äußerung scharf kritisiert.

Aussage widerspricht biblischen Menschenbild

Die Aussage Ben-Gvirs widerspreche nicht nur dem christlichen, sondern dem biblischen Menschenbild, das Christen und Juden miteinander verbinde, betonte Bentz. „Solche Parolen enthüllen den wahren Charakter des Rechtsextremismus, und zwar nicht nur in Israel: Die Überzeugung, dass jeder Mensch über eine unantastbare Würde verfügt, ist hier gänzlich abwesend, zumindest hat sie anscheinend jede Relevanz in politischen und auch militärischen Auseinandersetzungen eingebüßt.“

Es sei eine Sache, die Gewalt der Hamas zu bekämpfen, und eine andere, in einem solchen Kampf jeglichen moralischen Maßstab im Denken und Handeln zu verlieren, mahnte Bentz. „Auch der Feind im Krieg bleibt ein Mensch.“

Es sei befremdlich, dass die israelische Politik anscheinend nicht willens oder in der Lage sei, offensichtlich rechtsextreme Kräfte aus den Machtzentren zu entfernen. „Eine politische Folge davon ist die wachsende internationale Isolation Israels, über die sich niemand freuen wird, der es mit dem Frieden im Nahen Osten und mit dem Wohlergehen Israels ernst meint“, sagte Bentz weiter. „Stillschweigen und Wegsehen ist in dieser Situation gerade den Freunden Israels nicht erlaubt. Auch um Israels Zukunft willen müssen sie ein Stoppschild aufstellen.“