"Bauhaus-Manifest" und "Dessauer Erklärung" für Demokratie

"Bauhaus-Manifest" und "Dessauer Erklärung" für Demokratie
Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind Kulturinstitutionen in Sorge. Ein Wahlsieg der AfD könnte für sie weitreichende negative Folgen haben. Ein "Bauhaus-Manifest" und eine "Dessauer Erklärung" sollen gegensteuern.
20.08.2026
epd
Von Yvonne Jennerjahn (epd)

Berlin, Magdeburg (epd). Kulturminister, Verbände und Kirchen haben zum Schutz von Kunst und Kultur vor demokratiefeindlicher politischer Einflussnahme aufgerufen. 100 Jahre nach der Eröffnung des historischen Bauhaus-Standortes Dessau in Sachsen-Anhalt bezog am Donnerstag ein bundesweites Bündnis aus Kultur, Design, Handwerk, Architektur und Kirchen mit einem „Bauhaus-Manifest“ Stellung. Zudem bekannte sich die Kulturministerkonferenz der Bundesländer in einer „Dessauer Erklärung“ zur Kunstfreiheit.

In Sachsen-Anhalt wird am 6. September ein neuer Landtag gewählt, in dem die AfD eine absolute Mehrheit erreichen könnte. Das Bauhaus gehört zu den Feindbildern der im Bundesland seit 2023 als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei, die dort eine als patriotisch deklarierte Kulturpolitik anstrebt.

Freiheit, Offenheit und Kreativität

Mit dem „Bauhaus-Manifest“ werde ein Zeichen für Freiheit, Offenheit und Kreativität gesetzt, hieß es. Die 1919 in Weimar gegründete und 1926 in Dessau neu eröffnete Kunst-, Design- und Architekturschule müsse gegen populistische und demokratiefeindliche Angriffe verteidigt werden. Das historische Bauhaus in Dessau wurde 1932 auf Antrag der NSDAP geschlossen, 1933 wurde auch der danach neu eröffnete Standort in Berlin aufgelöst.

Die enorme internationale Wirkung des Bauhauses, das heute zum Unesco-Welterbe gehört, beruhe auch auf dessen Haltung, heißt es im Manifest. Dazu gehörten der „Mut zur kühnen Vision“, das Vertrauen in die Freiheit des künstlerischen Denkens und die Überzeugung, dass nur eine offene Gesellschaft die Kraft zur kulturellen Erneuerung aufbringe.

Keine Zensur

In der „Dessauer Erklärung“ betonten die Kulturminister, die Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerung müsse in allen deutschen Ländern gewährleistet werden. „Die Achtung der Freiheit der Kunst ist Gradmesser gesellschaftlicher und demokratischer Freiheit“, heißt es dort.

Es bleibe Aufgabe der Kulturpolitik, Räume zur Ausübung dieser Freiheiten zu schützen, betonen die Minister. Kunst und Kultur müssten ihre Wirkung ohne politische Vorgaben und ohne Angst vor finanziellen Sanktionen oder anderen Formen von Zensur entfalten können.

„Weltweit prägende kulturelle Ikone“

Erstunterzeichnende des „Bauhaus-Manifests“ sind unter anderem der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Manos Tsangaris, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos), die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Andrea Gebhard, und die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer. Aus den Kirchen gehören der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige und der leitende Geistliche der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Karsten Wolkenhauer, dazu.

Die Initiative zu dem Manifest habe Weimer ergriffen, hieß es. Es verstehe sich als kultur- und gesellschaftspolitisches Bekenntnis zu den Prinzipien, die das Bauhaus „bis heute zu einer weltweit prägenden kulturellen Ikone machen“. Dazu gehöre die Freiheit des künstlerischen Denkens, Offenheit gegenüber neuen Ideen, die Verbindung unterschiedlicher Disziplinen und die Überzeugung, dass kulturelle Innovation einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft leisten kann.