Zahl von Diskriminierungen in Sachsen-Anhalt auf Rekordniveau

Zahl von Diskriminierungen in Sachsen-Anhalt auf Rekordniveau
Spätestens seit dem Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt 2024 mehren sich rassistische und andere diskriminierende Vorfälle in Sachsen-Anhalt. Dieser Trend hat sich offenbar auch im ersten Halbjahr 2026 fortgesetzt.

Magdeburg (epd). Die Zahl diskriminierender und rassistischer Vorfälle befindet sich in Sachsen-Anhalt auf Rekordniveau. So habe „Entknoten“, eine Beratungsstelle gegen Alltagsrassismus und Diskriminierung, im ersten Halbjahr 2026 bereits 67 Beratungsfälle registriert. Dabei waren die 81 Fälle im gesamten Jahr 2025 schon eine Rekordzahl, sagte Berater Aras Badr am Mittwoch in Magdeburg. Auch andere Beratungsstellen wie Ofek (antisemitische Gewalt), die Mobile Opferberatung oder die Antidiskriminierungsstelle Sachsen-Anhalt haben im laufenden Jahr einen Anstieg der Vorfälle festgestellt.

„Diskriminierungen passieren in allen Lebensbereichen“, sagte Janine Weidanz von der Antidiskriminierungsstelle. Doch zunehmend treten derartige Vorfälle im Arbeitsumfeld und in der Schule auf. Insgesamt habe ihre Stelle im ersten Halbjahr bereits 87 Fälle registriert - im gleichen Zeitraum des Vorjahres seien es 74 gewesen. Dabei meldeten sich viele Menschen gar nicht, weil sie Angst vor der Öffentlichkeit hätten. So seien die ihnen gemeldeten Zahlen „nur die Spitze des Eisbergs“.

Sorgenvolle Blicke auf die Landtagswahl im September

Die Beratungsstellen erlebten zugleich eine zunehmende Unsicherheit bei Betroffenen wie auch Beratern mit Blick auf die Landtagswahl und eine mögliche Regierungsbeteiligung der AfD. Diese hatte die Streichung etlicher Landeszuschüsse und ein rigides Vorgehen gegen Migranten angekündigt. Umso wichtiger seien politische Rückendeckung und eine langfristige finanzielle Absicherung der Fachberatung, hieß es. So schaue etwa das Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen (Lamsa) „mit Sorge“ auf den Ausgang der Wahl.