Hannover, Jerusalem (epd). Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, kritisiert die jüngsten Äußerungen des rechtsextremen israelischen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir scharf. Die Berichte über Ben-Gvirs Forderungen zum Töten von Palästinensern im Gaza-Streifen „entsetzen mich“, erklärte die leitende Geistliche am Mittwoch auf der Plattform Threads.
In einem Podcast hatte Ben-Gvir befürwortet, im Gazastreifen jeden Tag 30 bis 40 Palästinenser zu töten. Dort gebe es Menschen, die es nicht verdient hätten zu leben, hatte er erklärt.
„Angriff auf die Menschlichkeit“
Fehrs sagte zu diesen Forderungen: „Wer anderen ihr Menschsein abspricht und zu gezielten Tötungen aufruft, überschreitet eindeutig die Grenze politischer Meinungsäußerung.“ Solche Worte seien ein Angriff auf die Menschlichkeit und forderten klaren Widerspruch. Die Hamburger Bischöfin mahnte, über Religionsgrenzen hinweg müsse die Überzeugung herrschen, dass jeder Mensch eine unveräußerliche Würde besitze, weil er Ebenbild Gottes sei. „Diese Würde kann niemand verleihen und niemand entziehen“, betonte die EKD-Ratsvorsitzende.
Der 50-jährige Ben-Gvir gilt als rechtsextremer und religiös-fundamentalistischer Politiker, der rassistische Positionen vertritt. 2007 wurde er wegen rassistischer Aufhetzung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung von einem israelischen Gericht verurteilt. Der Vorsitzende der rechtsextremen Partei Otzma Jehudit („Jüdische Kraft“) steht Medienberichten zufolge der Siedlerbewegung nah und lebt selbst in einer radikalen israelischen Siedlung im besetzten Westjordanland. Seit 2023 gehört er als Minister für nationale Sicherheit der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an.



