Berlin (epd). Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang wirbt für die Einführung einer Widerspruchsregelung bei der Organspende. „Es ist jedem von uns zumutbar, sich einmal im Leben mit diesem Thema zu beschäftigen“, sagte die Bundestagsabgeordnete am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Die Widerspruchsregelung sei notwendig, um die Zahl der Organspenden in Deutschland zu erhöhen. Die Oppositionspolitikerin wies darauf hin, dass eine einmal gefasste persönliche Entscheidung zur Spende eigener Organe auch wieder geändert werden könne.
Der Bundestag wird nach der Sommerpause über eine gesetzliche Neuregelung der Organspende beraten. Eine Gruppe von 250 Abgeordneten von SPD, CDU, CSU, Grünen und Linken, zu denen auch Lang gehört, hatte vergangene Woche einen Gesetzesentwurf zur Einführung der Widerspruchsregelung eingebracht. Damit ist der Weg frei für ein Gesetzesverfahren: Nach der Sommerpause im September soll im Parlament die erste Lesung stattfinden.
Neuregelung 2020 im Bundestag gescheitert
Der Bundestag hatte sich zuletzt 2020 gegen eine Einführung der Widerspruchsregelung entschieden. Daher gilt weiter die Zustimmungsregelung: Organe dürfen nach dem Tod nur entnommen werden, wenn der Verstorbene oder seine Angehörigen dem zugestimmt haben. Über einen erneuten Vorstoß für die Widerspruchsregelung vor zwei Jahren wurde wegen Querelen der Ampel-Koalition nicht mehr abgestimmt.
Die Zahl der Organspenden in Deutschland reicht nicht aus, um Kranken zu helfen, die darauf angewiesen sind. Etwa 8.000 Menschen stehen auf der Warteliste für ein Spenderorgan, rund 3.000 Organe wurden im vergangenen Jahr gespendet. Die Spendebereitschaft der Deutschen ist laut Umfragen sehr hoch. Die Zahl derjenigen, die das dokumentiert haben und damit die tatsächliche eine Spende ermöglichen, fällt aber deutlich niedriger aus.



