Duisburg (epd). Arbeitslose Menschen haben in Deutschland eine schwache Lobby: So kämpften etwa selbstorganisierte Erwerbsloseninitiativen mit geringen finanziellen Mitteln, um ihre Interessen politisch zu vertreten, ergab eine am Montag veröffentlichte qualitative Untersuchung von Wissenschaftlern der Universitäten Duisburg-Essen und Stuttgart. Arbeits- und Erwerbslose Menschen bekämen wenig öffentliche und politische Unterstützung. Die AfD nutzte die hier entstehende Vertretungslücke, warnten die Wissenschaftler.
In der Studie „Desorganisierte Erwerbslose: Mobilisierungsprobleme, Vertretungslücken und politische Konfliktverlagerung“ haben Wissenschaftler vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) in Duisburg und vom Institut für Sozialwissenschaften in Stuttgart die Organisation der Interessenvertretungen und ihre Herausforderungen untersucht. Dafür wurden den Angaben zufolge Interviews mit acht unabhängigen und gewerkschaftlichen Organisationen sowie Wohlfahrtsverbänden geführt und qualitativ ausgewertet.
Stigmatisierung begünstigt „Rechtsruck unter Arbeitslosen“
Innerhalb der Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften konkurrierten die Anliegen der Erwerbslosen mit den Interessen anderer Gruppen, hieß es. In öffentlichen Debatten würden Betroffene meist negativ dargestellt und stigmatisiert, erklärte der IAQ-Arbeitsmarktforscher Fabian Beckmann. Das führe dazu, „dass sich viele Betroffene zurückziehen, statt sich zu organisieren und zu solidarisieren“.
Die Erwerbslosenorganisationen berichteten von einem „Rechtsruck unter Arbeitslosen“, den sie auf ein diffuses Gefühl des Nicht-Gesehen-Werdens zurückführten. Bei der Bundestagswahl 2025 habe die AfD unter Arbeitslosen 34 Prozent erreicht und damit 13 Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt.
Hoffnung mache allerdings, dass Erwerbslosenorganisationen juristische Mittel wie Klagen und Rechtsberatung erfolgreich einsetzten, schreiben die Wissenschaftler. Zudem erreichten junge Organisationen wie „Sanktionsfrei“ über soziale Medien die Öffentlichkeit.



