Autor Kleinhans beobachtet neuen Trend zur Schreibmaschine

Autor Kleinhans beobachtet neuen Trend zur Schreibmaschine
Kein Strom, kein Internet, keine Ablenkung: Philosoph Bernd Kleinhans über die stille Rückkehr der mechanischen Schreibmaschine.
17.08.2026
epd
epd-Gespräch: Stephan Cezanne

Schwäbisch Gmünd (epd). Der Philosoph und Autor Bernd Kleinhans beobachtet ein wachsendes Interesse an alten, mechanischen Schreibmaschinen. „Dass die zunehmende Dominanz der Digitalisierung mit ihrer Entsinnlichung und Beschleunigung Menschen nicht befriedigt, wird immer wieder zu Gegenbewegungen, zur Suche nach dem analogen Leben führen“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Weder das Schreiben von Hand noch mit analogen Techniken wie der Schreibmaschine sei eine reine Modewelle, sondern „wird parallel immer neben den elektronischen Medien existieren - als Korrektiv und Hinweis auf Defizite der allgemeinen Digitalisierung“.

Das Schreiben mit einer mechanischen Schreibmaschine ergebe heute durchaus Sinn, fügte Kleinhans hinzu, der in Schwäbisch Gmünd lebt und sich unter anderem mit Mediengeschichte und -pädagogik beschäftigt. „Es ermöglicht eine besondere Art konzentriertes Schreiben. Keine Pop-ups, eingehende Mails oder andere Ablenkungen stören den Schreibfluss. Es gibt keine Abhängigkeit von Clouds und cloud-basierten Schreibprogrammen - und volle Souveränität über die eigenen Daten.“

Trend zum „Digital Detox“

Schließlich sei das Tippen mit der Maschine nachhaltig, sagt Kleinhans: „Es braucht keinen Strom, keinen Internetanschluss und die Schreibmaschinen funktionieren jahrzehntelang, während von modernen Laptops schon nach wenigen Jahren nur Sondermüll und Elektroschrott bleibt.“ Die - kleine - Renaissance der Schreibmaschine stehe zudem im Kontext des Trends zum „Digital Detox“, also der mindestens zeitweisen Befreiung von der Dominanz digitaler Medien.

Wie bei anderen anlogen Trends - etwa der Fotografie - sind es Kleinhans zufolge auch bei den Schreibmaschinen offenbar viele jüngere Menschen, die selbst noch keine Erfahrung mit diesen Geräten gemacht haben, die den Trend bestimmen. Natürlich könne eine Schreibmaschine kein modernes Textprogramm ersetzen„, räumte er ein: “Aber für erste Rohfassungen und Textentwürfe kann die Schreibmaschine ein Mittel der Wahl sein."