Bremen (epd). Der Bremer Klima- und Meeresforscher Björn Suckow hält es mit Blick auf die Hitzewelle in Europa für notwendig, den gesellschaftlichen Druck auf die Politik für mehr Klimaschutz zu erhöhen. Studien zeigten, dass die meisten Menschen sich „mehr Umwelt-, Klima- und Menschenschutz“ wünschten und auch bereit seien, dazu etwas beizutragen, sagte Suckow dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Kosten sollten allerdings sozial gerecht verteilt werden.
Die Initiative „Fridays for Future“ sei der beste Beweis dafür, dass Menschen durch gemeinsames Engagement etwas bewirken könnten, betonte der Aquakulturforscher am Alfred-Wegener-Institut (AWI). „Nichtstun ist angesichts des fortgeschrittenen Klimawandels keine Option.“ Die zunehmenden Hitzeperioden oder Starkregenereignisse zeigten: „Wir sitzen alle im gleichen Boot und müssen gemeinsam die Kurve kriegen.“ Noch sei es dafür noch nicht zu spät.
Verantwortung für spätere Generationen
Er wolle seinen Kindern später eine Antwort geben können, wenn sie fragten: „Papa, was hast du damals getan, als man noch etwas ändern konnte“, sagte Suckow. Als Wissenschaftler sehe er sich in einer besonderen Verantwortung, sein Wissen etwa über die Zusammenhänge von CO2-Ausstoß und Klimawandel weiterzugeben. Deshalb engagiere er sich seit Jahren in der Wissenschaftskommunikation der Gruppe „AWIs4Future“, gehe mit Vorträgen und Experimenten in Schulen, Vereine oder Unternehmen und produziere populärwissenschaftliche Videos.
Jahrelang sei die Zurückhaltung beim Klimaschutz auch damit begründet worden, dass die Wirtschaft unter zu hohen Klimaschutzauflagen leide, kritisierte Suckow. Jetzt werde etwa anhand des Niedrigwassers in den Flüssen oder der Diskussion über Hitzeschutzpläne deutlich, dass die Wirtschaft gerade durch den jahrzehntelang nicht ausreichenden Klimaschutz massiv gestört sei.
Klimaschutz über finanzielle Anreize
Die Klimapolitik der aktuellen Bundesregierung halte er für nicht ambitioniert genug, um etwa aus der Nutzung von Kohle und Gas auszusteigen, betonte der Wissenschaftler. Unternehmen sollten nach dem Verursacherprinzip für die Verschmutzung der Luft zahlen, sodass etwa Zugfahren attraktiver werde als Fliegen. Auch wäre es sinnvoll, dass Gemüse im Supermarkt deutlich günstiger zu kaufen sei als Fleisch. „Wir brauchen eine faire Bepreisung, die darauf einzahlt, dass auch Treibhausgasemissionen eine Form von Abfall sind. Das, was wir jetzt an CO2 ausstoßen, bleibt viele Jahrhunderte in der Atmosphäre.“



