Berlin (epd). Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) hat die Lage der Frauen und Mädchen in Afghanistan fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban als „extrem bedrückend“ bezeichnet. Die Ministerin sagte dem ARD-Hauptstudio: „Wir lassen die Menschen in Afghanistan nicht allein.“ Deutschland helfe „sehr gezielt dort, wo unsere Unterstützung die Menschen auch wirklich erreicht, besonders Frauen und Mädchen“.
Zugleich schränkte die SPD-Politikerin ein: „Allerdings muss man auch sagen, dass eine normale Entwicklungszusammenarbeit unter der Herrschaft der Taliban nicht möglich ist.“ Ihr Haus arbeite nicht den Taliban zusammen, erreiche die Menschen über unabhängige Partner, zum Beispiel die Vereinten Nationen oder die Weltbank, etwa in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Bildung.
Politik der Taliban wird jahrzehntelang Folgen haben
Dass Mädchen nicht weiter zur Schule gehen dürften, sei nicht nur für sie selbst eine Katastrophe, sondern werfe ein ganzes Land zurück und werde jahrzehntelang Folgen haben, sagte die Ministerin. „Wir können die Politik der Taliban nicht ändern, aber wir können dafür sorgen, dass unsere Hilfe vor allem Frauen erreicht, bei Ernährung, Gesundheit, Bildung, und dabei ein eigenes Einkommen zu haben“, unterstrich Alabali Radovan.
Die Bundesregierung erkennt die Taliban-Regierung in Afghanistan nicht an, unterhält aber technische Kontakte. So führt sie Gespräche auf Arbeitsebene, um nach Afghanistan abschieben zu können. Alabali Radovan bekräftigte: „Die Bundesregierung hat hier unterschiedliche Aufgaben und Zuständigkeiten, für meinen Bereich ist die Linie klar. Unsere Entwicklungszusammenarbeit findet nicht mit den Taliban statt.“
Menschenrechtslage unter den Taliban massiv verschlechtert
Am 15. August 2021 hatten die radikalislamischen Taliban die Hauptstadt Kabul eingenommen. Seitdem hat sich die Menschenrechtslage im Land massiv verschlechtert, insbesondere für Frauen und Mädchen.



