Schlösserverwaltungen starten Projekt zum Erhalt historischer Gärten

Schlösserverwaltungen starten Projekt zum Erhalt historischer Gärten
Die 15 deutschen Schlösserverwaltungen in öffentlicher Trägerschaft wollen dem Klimawandel die Stirn bieten und ihre Gärten retten. Dazu wurde jetzt ein neues Forschungsprojekt gestartet.
13.08.2026
epd
Von Yvonne Jennerjahn (epd)

Potsdam (epd). Eigene Baumschulen, Zisternen, Pyrolyse: Die historischen Parks und Gärten der staatlichen Schlösserverwaltungen in Deutschland werden an die Folgen des Klimawandels angepasst. Dazu soll auch ein neues Forschungsprojekt beitragen, das am Donnerstag in Potsdam vorgestellt wurde. Beteiligt sind unter anderem die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, die Stiftung Fürst Pückler Park Bad Muskau und die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.

Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Potsdamer Schlösserstiftung, betonte, der langfristige Erhalt historischer Parks und Gärten trotz der Folgen des Klimawandels gehöre „zu den größten Herausforderungen der Zeit“. In den vergangenen Jahren sei deutlich geworden, dass die Anlagen kaum zu halten sein werden, wenn nicht zügig vernünftige Strategien dafür entwickelt werden. Allein im Park Sanssouci hätten sich die Schadensmeldungen seit 2002 auf rund 500 im Jahr verzehnfacht. Vogtherr ist auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen, die das Projekt umsetzt.

Ökologische Prozesse fördern

Ziel des von 2026 bis 2028 laufenden Forschungsprojekts sei, Parkverwaltungen dabei zu helfen, nachhaltige Pflegestrategien zu entwickeln, in denen natürliche Kreisläufe systematisch einbezogen und ökologische Prozesse stärker gefördert werden, hieß es. Es werde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert und baue auf einem Vorprojekt auf. Dort seien von 2022 bis 2024 bereits mehr als 80 Maßnahmen zur Klimaanpassung historischer Gärten systematisch erfasst, dokumentiert und digital öffentlich zugänglich gemacht worden.

Beispiele für bereits laufende Anpassungsmaßnahmen seien unter anderem eine mit kleinen, tiefwurzelnden Bäumen erneuerte Kastanienallee im Schlosspark von Schwetzingen (Baden-Württemberg), sogenannte Rigolen im Berliner Schlosspark Charlottenburg zur Speicherung von Regenwasser und die stiftungseigene Baumschule am Potsdamer Ruinenberg. Auch Zisternen als Wasserspeicher und die Verarbeitung von Altholz zu Pflanzenkohle mittels Pyrolyse sowie deren Nutzung zur Bodenverbesserung seien zukunftsweisende Maßnahmen.

„Steppenverhältnisse“

Cord Panning, Parkdirektor der Bad Muskauer Stiftung, sagte, im Muskauer Park herrschten inzwischen zum Teil „Steppenverhältnisse“. Pflanzen, Wasser und Böden müssten künftig als Gesamtsystem und größere Parkanlagen als eigene Ökosysteme gesehen werden. Die „nächste schwere Phase der Klimaentwicklung“ habe bereits begonnen, sagte er. Der Klimawandel sei zudem noch „längst nicht am Ende der Fahnenstange“.

Vogtherr betonte, durch den fortschreitenden Klimawandel sei es nicht mehr selbstverständlich, dass das historische Parkbild der Anlagen erhalten werden kann. Es sei inzwischen ein Scheidepunkt erreicht. Die Rettung der Parks und Gärten werde nur gelingen, wenn der Klimawandel eingedämmt werde. Allein in den Gärten der Stiftung werde mit jährlich drei bis fünf Millionen Euro zusätzlichen Kosten zur Anpassung an den Klimawandel gerechnet. Dort sei im Park Sanssouci auch eine dauerhafte Gartenwerkstatt geplant, in der sich Interessierte über Anpassungsmaßnahmen informieren können.