Wiesbaden (epd). Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen ist auf einen neuen Höchststand gestiegen. Im Jahr 2025 stellten die Jugendämter in Deutschland bei rund 79.800 Kindern oder Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung durch Vernachlässigung, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt fest, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Das waren 10 Prozent oder rund 7.000 Fälle mehr als 2024. Damit hat sich die Fallzahl seit Beginn der Zählung im Jahr 2012 mehr als verdoppelt - damals lag sie erst bei rund 38.300 Fällen.
Seit 2012 haben die Kindeswohlgefährdungen mit Ausnahme der Jahre 2017 (minus 0,1 Prozent) und 2021 (‑1 Prozent) kontinuierlich zugenommen. Gründe für das starke Wachstum können - neben einer tatsächlichen Zunahme der Gefährdungsfälle - auch eine höhere Wachsamkeit und Anzeigebereitschaft beim Thema Kinderschutz, Verbesserungen in der Kooperation und Qualifizierung der Fachkräfte und gesetzliche Neuerungen sein.
Mehr als die Hälfte der Betroffenen war höchstens acht Jahre alt
Die meisten betroffenen Jungen und Mädchen (40 Prozent) wuchsen 2025 bei beiden Eltern gemeinsam oder bei einem alleinerziehenden Elternteil (37 Prozent) auf. Weitere 14 Prozent lebten bei einem Elternteil in neuer Partnerschaft und 9 Prozent in einem Heim, bei Verwandten oder an einem anderen Ort.
Etwa jedes zweite betroffene Kind (51 Prozent) war höchstens acht Jahre alt, etwa jedes vierte (26 Prozent) maximal vier Jahre. Im Schnitt lag das Alter der Kinder bei 8,5 Jahren. In 43 Prozent aller Fälle nahmen die Kinder oder Jugendlichen zum Zeitpunkt der Gefährdungseinschätzung bereits eine Leistung der Jugendhilfe in Anspruch, hatten also schon Kontakt zum Hilfesystem. Dabei war in etwa jedem vierten Fall (27 Prozent) innerhalb des Jahres bereits eine Meldung zu dem Kind eingegangen.
Besonders häufig hatten die Behörden bei der Prüfung auf eine Kindeswohlgefährdung Anzeichen von Vernachlässigung (58 Prozent) und psychischen Misshandlungen (38 Prozent) festgestellt. In 29 Prozent der Fälle wurden Hinweise auf körperliche Misshandlungen und in 5 Prozent auf sexuelle Gewalt gefunden. Dabei wiesen 25 Prozent der betroffenen Kinder nicht nur Anzeichen für eine, sondern gleich für mehrere dieser Gefährdungsarten auf.



