Köln (epd). Die Demokratie genießt in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft großen Rückhalt. Mehr als 90 Prozent der Unternehmenslenker messen ihr eine hohe Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland bei, wie aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht, über die die in Düsseldorf erscheinende „Rheinische Post“ berichtet und die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt.
„Demokratie wird in Ost wie West als Standortvorteil verstanden, der Rechtsstaatlichkeit, Planungssicherheit und unternehmerische Freiheit sichert“, heißt es in der Studie. Zugleich nähmen 54,6 Prozent der ostdeutschen und 60,3 Prozent der westdeutschen Geschäftsleiter eine Gefährdung der Demokratie wahr.
Angst vor Boykotten und Hasskommentaren
Allerdings übersetzte sich die Sorge im Osten nicht in mehr öffentliche Positionierung. „Im Westen gibt mit fast 65 Prozent ein deutlich größerer Anteil der Geschäftsführer an, es sei Aufgabe von Unternehmen, sich demokratiestabilisierend einzusetzen; in Ostdeutschland teilen diese Auffassung nicht einmal die Hälfte“, heißt es in der Studie. Rund jedes vierte ostdeutsche Unternehmen nenne mögliche Boykotte oder Hasskommentare sowie Konflikte in der Belegschaft als Engagement-Hemmnis. Konflikte mit Kunden und Lieferanten würden etwas häufiger genannt.
Ungeachtet dessen gaben 75,9 Prozent der Unternehmensleitungen in Ostdeutschland an, eigenes Demokratieengagement zu betreiben. Im Westen waren es 82,3 Prozent. „Öffentliche Sichtbarkeit ist damit die eigentliche Bruchlinie, nicht das Engagement als solches“, schreiben die Studienautoren Knut Bergmann und Matthias Diermeier. „Ostdeutsche Unternehmen zeigten sich schon in der Vergangenheit zurückhaltender in der Positionierung explizit gegen die AfD.“
Im IW-Zukunftspanel wurden zwischen dem 9. Februar und 13. März 2026 insgesamt 903 Unternehmen befragt, darunter 138 ostdeutsche.



