Industrie- und Handelsunternehmen am Rhein leiden unter Niedrigwasser

Industrie- und Handelsunternehmen am Rhein leiden unter Niedrigwasser
Der weiterhin sinkende Wasserstand des Rheins setzt die Wirtschaft immer mehr unter Druck. Das machten Industrie- und Handelsunternehmen in einer Umfrage deutlich.

Wiesbaden (epd). Drei Viertel der Industrie- und Handelsunternehmen am Rhein sind inzwischen vom historisch niedrigen und weiter fallenden Wasserstand des Rheins betroffen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern unter 150 Unternehmen vom 29. Juli bis 4. August, wie der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Der Pegel Kaub zeigte am Donnerstagmorgen nur noch einen Wasserstand von elf Zentimetern an, was einer Wassertiefe der Fahrrinne von etwa 126 Zentimetern entspricht.

Viele Unternehmen entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse müssten ihre Transporte umorganisieren, meldete der HIHK. Güter würden auf mehrere Schiffe verteilt oder auf Straße und Schiene verlagert. Dies führe zu erheblichen Mehrkosten und belaste die ohnehin angespannten Lieferketten. Erschwerend komme hinzu, dass freie Transportkapazitäten aufgrund des zunehmenden Mangels an Lkw-Fahrern und der noch bis Dezember laufenden Sanierung der für den Güterverkehr wichtigen rechtsrheinischen Bahnstrecke zwischen Wiesbaden und Troisdorf nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung stünden.

Wirtschaft fordert dauerhafte Niedrigwasser-Taskforce

Insgesamt 78 Prozent der Unternehmen berichteten laut der Umfrage von höheren Kosten, 72 Prozent müssen ihre Logistikprozesse anpassen und fast jedes dritte Unternehmen schränkt die Produktion ein. „Niedrigwasser am Rhein ist längst kein regionales Problem mehr. Auch Unternehmen in Hessen, die nicht unmittelbar am Rhein liegen, sind über Lieferketten, Zulieferbeziehungen und Transportwege von den Folgen betroffen“, sagte der Vizepräsident des HIHK, Ulrich Casper. Bund und Länder sollten dauerhaft eine Niedrigwasser-Taskforce einberufen. Die Wasserstraßen-Infrastruktur müsse deutlich stärker ausgebaut werden, forderte er.

Die Personen- und Frachtschifffahrt am Rhein sei „auf einen kleinen Bruchteil“ zurückgegangen", teilte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein in Bingen dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Das Amt werde jedoch kein Fahrverbot aussprechen, für die Beladung und Fahrt der Schiffe seien die Schiffsführer oder die Reedereien zuständig.