Berlin, Bogotá (epd). Nach mehreren Anschlägen droht in Kolumbien eine weitere Eskalation der Gewalt. Der neue Präsident des südamerikanischen Landes, Abelardo de la Espriella, verkündete am Sonntagabend (Ortszeit) den Tod eines Kommandanten der Miliz „Estado Mayor Central“, einer Splittergruppe der vor zehn Jahren aufgelösten Farc-Guerilla. Hernando Forero Mosquera und drei weitere Personen seien bei einer Militäroperation im zentral gelegenen Departement Meta getötet worden, teilte de la Espriella auf der Internetplattform X mit.
„Den Kriminellen bleibt nur eine Entscheidung: Sich der Justiz zu unterwerfen oder sich der legitimen Gewalt der Republik zu stellen“, schrieb de la Espriella. Der ultrarechte Politiker, der sich von der Friedenspolitik seiner Vorgängers Gustavo Petro abgrenzt, war am Freitag als Präsident vereidigt worden.
Mehr als 300.000 Tote
In mehreren Landesteilen Kolumbiens kam es im Laufe der vergangenen Woche zu Anschlägen, bei denen laut der Zeitung „El Espectador“ mindestens ein Polizist getötet wurde. Die nationale Ombudsstelle für Menschenrechte rief dazu auf, keine zivilen Ziele anzugreifen. Die Bevölkerung dürfe nicht die Kosten der Gewalt tragen, erklärte die Ombudsstelle auf X.
In Kolumbien herrscht seit den 1960er Jahren ein Bürgerkrieg, in dem über 300.000 Menschen getötet wurden. Guerillas und Paramilitärs kontrollieren ganze Landstriche. Sie finanzieren sich über illegalen Goldabbau und die Produktion von Kokain, unter anderem für den europäischen Markt.
Der am Freitag abgetretene Präsident Gustavo Petro scheiterte größtenteils mit seinem Vorhaben, durch Dialog einen umfassenden Frieden zu erreichen. Der neue Präsident de la Espriella hatte während seiner Wahlkampagne angekündigt, keine Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen zu führen, sondern sie mit Militärgewalt zu bekämpfen.



