Medica Mondiale: Taliban schufen System der "Gender Apartheid"

Medica Mondiale: Taliban schufen System der "Gender Apartheid"
In den fünf Jahren seit ihrer erneuten Machtübernahme haben die Taliban in Afghanistan ein brutales System der Unterdrückung von Frauen geschaffen. Viele Frauen bemühen sich dennoch im Verborgenen um Teilhabe an Bildung und Erwerbsleben.
10.08.2026
epd
epd-Gespräch: Claudia Rometsch (epd)

Köln (epd). In keinem anderen Land der Welt werden nach Einschätzung der Hilfsorganisation Medica Mondiale Frauenrechte so gravierend verletzt wie in Afghanistan. „Seit den fünf Jahren der Machtübernahme der Taliban herrscht ein institutionell verankertes System der Unterdrückung, Entrechtung und Segregation von Frauen und Mädchen“, sagte Inga Weller, Regionalreferentin Afghanistan bei der Frauenrechtsorganisation, dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Wir bewerten das als 'Gender Apartheid'.“ Medica Mondiale arbeitet seit fast 25 Jahren mit Partnerorganisationen in Afghanistan.

Die Einschränkungen für Frauen beträfen mittlerweile alle Lebensbereiche. Frauen dürften ausschließlich verhüllt und in Begleitung eines männlichen Verwandten das Haus verlassen. „Vor allem die Einschränkungen in Bereich der Bildung sind besonders schmerzhaft“, stellt Weller fest. Mädchen ist es inzwischen verboten, weiterführenden Schulen besuchen. Ein Studium bleibt jungen Frauen verwehrt.

Entrechtung von Frauen weiter verschärft

Medica Afghanistan, die Partnerorganisation von Medica Mondiale, musste nach der Machtübernahme der Taliban 2021 die Arbeit einstellen. Seitdem unterstützt Medica Mondiale drei Organisationen, die im Verborgenen tätig sind. „Wir haben unsere Arbeit in Afghanistan seitdem sogar noch ausgeweitet“, erklärt Weller. „Wir wollen dranbleiben.“ Denn auch wenn die Organisationen im Untergrund arbeiten müssten, schenkten sie den Frauen Mut und Hoffnung.

Die Entrechtung von Frauen sei in den vergangenen Monaten sogar durch neue Gesetze weiter verschärft worden, beklagt Weller. Anfang des Jahres sei Gewalt gegen Frauen in einem neuen Strafgesetzbuch legalisiert worden. Im Mai sei die Zwangsverheiratung von Mädchen ohne Altersbeschränkung für rechtens erklärt worden.

Von der Bundesregierung verlangt Welller mehr Unterstützung für die Frauen in Afghanistan: „Uns fehlt in den letzten Monaten der politische Druck gegenüber den Taliban und die klare Verurteilung dieses Systems der Gender Apartheid.“ Die Taliban müssten für die systematische Entrechtung, Verfolgung und Gewalt gegen Frauen und Mädchen völkerstrafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.