Wirtschaftsweiser Werding für Abschaffung der Witwenrente

Wirtschaftsweiser Werding für Abschaffung der Witwenrente
Die geplante Rentenreform sieht unpopuläre Maßnahmen wie das Ende der "Rente mit 63" vor, um die Sozialbeiträge stabil zu halten. Der Wirtschaftsforscher Werding hält noch weitere Einschnitte wie eine Abschaffung der Witwenrente für nötig.

Düsseldorf (epd). Der Wirtschaftsweise Martin Werding fordert zusätzlich zu den bisherigen Reformplänen bei der Rente eine Abschaffung der Witwenrente. „Die Witwenrente ist nicht mehr zeitgemäß, heute können Frauen selbst vorsorgen“, sagte das Mitglied des Sachverständigenrates Wirtschaft der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Samstag). „Die Witwenrente kostet die deutsche Rentenkasse fast 50 Milliarden Euro im Jahr, ein Achtel der Gesamtausgaben.“

Ersetzt werden könnte die Witwenrente durch ein „Rentensplitting“, schlug der Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen der Ruhr-Universität Bochum vor, der Mitglied der von der Bundesregierung eingesetzten Rentenkommission war. „Danach teilen sich die Partner alle in der gemeinsamen Zeit erworbenen Rentenpunkte auf.“

Höhere Abschläge auf Frührente und weniger Verbeamtungen

Werding plädierte auch dafür, die sogenannte Mütterrente III zurückzunehmen und dadurch den Bundeshaushalt um fünf Milliarden Euro zu entlasten. Zudem müssten die Abschläge auf die Frührente steigen. Verbeamtungen sollten reduziert und „Reformen der gesetzlichen Rente wirkungsgleich auf die Beamtenversorgung übertragen“ werden.

Der Wirtschaftswissenschaftler verteidigte die von der Rentenkommission vorgeschlagene Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren. Die „Rente mit 63“ komme „nicht etwa Menschen mit gesundheitlichen Problemen zugute, sondern Menschen, die überdurchschnittlich gesund sind und überdurchschnittlich hohe Renten haben“.

Osten nicht stärker auf gesetzliche Rente angewiesen

Die Behauptung, der Osten sei stärker auf die gesetzliche Rente angewiesen ist, nannte Werding falsch: „Paare im Osten haben im Schnitt monatlich 3.174 Euro als Alterseinkommen, im Westen 3.795 Euro“, rechnete er vor. „Die Differenz verringert sich aber, wenn man Kaufkraftunterschiede berücksichtigt.“ Im Osten hätten 21 Prozent der Beschäftigten keine weitere Absicherung neben der Rente, im Westen seien es mit 18 Prozent fast genauso viele. Ostdeutsche Regierungschefs hatten gefordert, die „Rente mit 63“ nicht abzuschaffen, und auf besondere Berufsbiografien in Ostdeutschland hingewiesen.