München (epd). Im Prozess um den Auto-Anschlag auf eine ver.di-Demonstration in München ist der Angeklagte zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Farhad N. sei wegen Mordes in zwei Fällen, versuchten Mordes in 23 Fällen, gefährlicher Körperverletzung in 19 Fällen, vorsätzlicher Körperverletzung in drei Fällen und schwerer Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig gesprochen worden, urteilte das Münchner Oberlandesgericht am Donnerstag (AZ: 7 St 3/25).
Er habe „mit absolutem Vernichtungswillen“ gehandelt, hieß es. Der 7. Strafsenat habe festgestellt, dass die Schuld des Angeklagten besonders schwer wiege. Verteidigung und Bundesanwaltschaft haben nun eine Woche Zeit, um Revision einzulegen und das Urteil damit vom Bundesgerichtshof prüfen zu lassen.
Gericht: Volle Schuldfähigkeit des Angeklagten
Der Afghane Farhad N. war am 13. Februar 2025 mit einem Auto „mit hoher Geschwindigkeit und mit dem festen Willen, möglichst viele Menschen zu töten“ in einen ver.di-Demonstrationszug in München gefahren, hieß es im Urteil. Er habe damit „eine 'gottgefällige' Tat begehen und sich als guter Muslim beweisen wollen“. Die Teilnehmenden der Demonstration hätten nicht mit einem Angriff gerechnet, die beiden Getöteten seien von hinten erfasst worden. Danach sei der Angeklagte noch mit Vollgas weitergefahren und habe zahlreiche weitere Menschen verletzt.
Einem Polizeibeamten sei es schließlich gelungen, durch einen Schuss in das Beifahrerfenster Zugang zum Pkw zu bekommen und den Zündschlüssel abzuziehen. Während eine unter dem Auto eingeklemmte Verletzte befreit wurde, habe Farhad N. weiter das Gaspedal durchgedrückt. Bei seiner Festnahme habe er das islamische Glaubensbekenntnis gesprochen, hieß es.
In der Hauptverhandlung habe der Angeklagte geschwiegen. Das Oberlandesgericht war von seiner vollen Schuldfähigkeit ausgegangen.
Opferangehörige wollten nicht instrumentalisiert werden
Zum Tatzeitpunkt war der Asylbewerber, der sich legal in Deutschland aufgehalten hatte, 24 Jahre alt. Bei den Toten handelte es sich um eine gebürtige Algerierin, die als Ingenieurin bei der Stadt München angestellt war, und ihre zweijährige Tochter. Nach dem Anschlag wurden Stimmen laut, die eine Verschärfung der Migrationspolitik forderten. Die Angehörigen der Toten wehrten sich jedoch gegen eine politische Vereinnahmung der Gewalttat. Sie baten darum, ihren Verlust nicht zu benutzen, „um Hass zu schüren und ihn politisch zu instrumentalisieren“.



