Köln (epd). Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt dringt auf einen besseren Hitzeschutz insbesondere in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Der Schutz der Menschen sei eine dringende Aufgabe, sagte Reinhardt am Freitag im Deutschlandfunk. Sie müsse systematischer und verlässlicher angegangen werden.
Es sei nicht haltbar, dass in Pflegeheimen und Krankenhäusern nur ein geringer Teil der Menschen von einer Klimaanlage profitiert. „Da besteht ein erheblicher Bedarf“, der bei Neuplanungen und Sanierungen viel stärker berücksichtigt werden müsse als bislang, sagte Reinhardt.
Debatte um Grundgesetzänderung
Der Ärztevertreter äußerte sich kritisch dazu, dass die Zuständigkeiten von Ländern und Kommunen einer Finanzierung von Hitzeschutzmaßnahmen durch den Bund derzeit oftmals entgegenstehen. Die Debatte um eine Grundgesetzänderung in diesem Zusammenhang sei notwendig, es gehe aus seiner Sicht „eher um ein Katastrophenszenario“. Derzeit seien kurzfristige Entscheidungen angesichts der Kompetenzabgrenzungen zwischen Bund, Ländern und Kommunen schwierig.
Die Zahl hitzebedingter Todesfälle ist laut Robert Koch-Institut in diesem Jahr bis zum 26. Juli Schätzungen zufolge auf rund 11.900 gestiegen. Der bisherige Rekordwert wurde im insgesamt heißen Jahr 2018 mit rund 9.000 Todesfällen infolge von Hitze erreicht. Etwa 9.600 der hitzebedingten Sterbefälle in diesem Jahr gehen laut RKI auf die besonders heiße Woche Ende Juni zurück, als vielerorts Temperaturen über 40 Grad Celsius gemessen wurden.
Reinhardt erläuterte, dass unter den sogenannten Hitzetoten besonders viele alte und kranke Menschen seien. Diese stürben nicht durch Erkrankungen, die durch Hitze entstehen, sondern an Krankheiten, unter denen sie ohnehin leiden. Diese würden aber durch Hitze verschlimmert, was zu Situationen führe, die medizinisch nicht mehr beherrschbar seien. Oft seien das Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen.



