Forscher: Erneuerbare machen Stromversorgung bei Hitze resilienter

Forscher: Erneuerbare machen Stromversorgung bei Hitze resilienter
Anders als Ungarn und Rumänien, wo Kraftwerke wegen Niedrigwasser abgeschaltet werden mussten, sieht ein Experte Deutschland besser aufgestellt: Der hohe Anteil erneuerbarer Energien mache die Stromversorgung in Hitzeperioden widerstandsfähiger.
06.08.2026
epd
epd-Gespräch: Gundula Haage

Potsdam (epd). Während in Ungarn und Rumänien wegen hoher Temperaturen und niedriger Flusswasserstände Kraftwerke abgeschaltet werden mussten, ist die Energieversorgung in Deutschland nach Einschätzung eines Forschers vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) derzeit nicht akut gefährdet. Grund dafür sei der inzwischen deutlich höhere Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung, sagte PIK-Hydrologe Hagen Koch dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Wenn wir noch den Kraftwerkspark von vor 20, 25 Jahren hätten, hätten wir jetzt ein riesiges Problem.“

Der niedrige Wasserstand der Donau hatte in den vergangenen Tagen für zum Teil erhebliche Ausfälle in der Stromproduktion mehrerer Länder gesorgt. In Rumänien und Ungarn mussten Atomkraftwerksreaktoren vorübergehend abgeschaltet werden. Grund dafür sei die derzeit fehlende Kühlwasserversorgung der Kraftwerke, erklärte Koch: „Das ist einerseits eine Frage der Wassermenge, also ob überhaupt genug da ist, und anderseits der Wassertemperatur.“ Sei das Flusswasser während einer Hitzeperiode so stark aufgeheizt, dass es Grenzwerte überschreite, dürfe es nicht mehr zum Kühlen der Kraftwerke genutzt werden.

Energiewende sorgt für mehr Sicherheit bei Hitze und Niedrigwasser

In Deutschland wurden ebenfalls Tiefstwerte des Rheinpegels gemessen. Der Pegel bei Kaub zeigte am Dienstagmorgen nur noch eine Wassertiefe von 24 Zentimetern an, wie das Portal Elwis der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes anzeigte. Doch die Energieversorgung sei dank des mittlerweile hohen Anteils an erneuerbaren Energien im Strommix nicht akut gefährdet, erklärte der Forscher: „Der teilweise Ausstieg aus Braunkohle und Atomkraft, soweit er eben stattgefunden hat, hat die Situation hier in Deutschland erleichtert.“ Mit den vielen Atom- und Kohlekraftwerken, die noch vor 30 Jahren an Rhein, Main und Donau Strom produzierten, hätte Deutschland angesichts der aktuellen Niedrigwasserlage und hohen Wassertemperaturen heute mutmaßlich ebenfalls erhebliche Probleme bei der Energieversorgung in zunehmend heißen und trockenen Sommern.

Mit Blick auf den Klimawandel, der Projektionen zufolge für längere und intensivere Hitzeperioden sorgt, warnte Koch vor wachsenden Problemen in Ländern, deren Energieversorgung weiterhin stark auf große Kohle- oder Atomkraftwerke setze. „Lang andauernde Hitzeperioden mit geringem oder keinem Niederschlag und daraus folgendem Niedrigwasser erhöhen das Risiko“, dass Kraftwerke in heißen, trockenen Sommerzeiten abgeschaltet werden müssten.

Die Hydrologie ist die Wissenschaft, die sich mit dem Wasser in der Biosphäre der Erde beschäftigt.