Frankfurt a.M., Rom (epd). Die Vereinten Nationen warnen vor einer Zunahme von Hunger und Ernährungskrisen infolge des Wetterphänomens El Niño. Bis zu 49 Millionen Menschen zusätzlich könnten bis Ende 2027 von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse des UN-Welternährungsprogramms (WFP) hervorgeht.
Die Schätzung bezieht sich auf die möglichen Auswirkungen des Wetterphänomens in 45 Ländern Afrikas, Asiens sowie Süd- und Zentralamerikas. Die Zahl der Menschen in akuter Ernährungsunsicherheit in diesen Ländern würde dem von den Fachleuten ermittelten Szenario zufolge von derzeit etwa 225 auf 274 Millionen steigen, ein Plus um etwa 22 Prozent.
Dürrerisiken und Fluten
Das Wetterphänomen El Niño geht auf eine Erwärmung des tropischen Pazifiks zurück und führt immer wieder zu Extremwetter in verschiedenen Weltregionen. Die aktuelle El-Niño-Phase hat im Juni begonnen und droht laut WFP eine der stärksten der vergangenen Jahrzehnte zu werden.
Für Süd- und Südostasien warnt das WFP etwa vor einer Kombination aus Unregelmäßigkeiten beim Monsun, Dürrerisiken und lokalen Überflutungen. Im südlichen Afrika wiederum drohten ausbleibende Regenfälle und erhöhte Temperaturen.
Die Analyse gibt nach Angaben des WFP eine erste Übersicht über die möglichen Folgen von El Niño für die Ernährungssicherheit. Mit der fortschreitenden Entwicklung des Wetterphänomens würden die Vorhersage-Modelle genauer werden.
Klimawandel verschärft Extremwetter
El Niño ist keine Folge des Klimawandels. Aber im Zusammenspiel mit der Erderwärmung werden die Folgen extremer. Die Weltwetterorganisation (WMO) verweist etwa auf 2024, das Jahr mit der bisher höchsten globalen Durchschnittstemperatur. Dafür verantwortlich seien sowohl die El-Niño-Phase 2023/24 als auch der menschengemachte Klimawandel.
Übersetzt heißt El Niño „das Kind“, mit Bezug auf das Christkind, weil es seinen Höhepunkt oft um die Weihnachtszeit erreicht. Typischerweise dauert das Wetterphänomen zwischen neun und zwölf Monaten und tritt alle zwei bis sieben Jahre auf.



