Selbsthilfebündnis: Mit alten Handys kein Zugang zur Patientenakte

Selbsthilfebündnis: Mit alten Handys kein Zugang zur Patientenakte
Höhere behördliche Sicherheitsvorgaben lassen einen Zugang zur elektronischen Patientenakte mit älteren Betriebssystemen auf Handys nicht mehr zu. Selbsthilfeverbände behinderter Menschen kritisieren einen Ausschluss von digitaler Teilhabe.

Düsseldorf (epd). Selbsthilfeverbände behinderter und chronisch kranker Menschen kritisieren einen erschwerten Zugang zu eigenen Gesundheitsdaten durch verschärfte Sicherheitsvorgaben. Seit dem 1. Juli unterstützten die Apps der gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr den Zugriff auf die elektronische Patientenakten (ePA) mit älteren Betriebssystemen auf dem Smartphone, erklärte die Dachorganisation BAG Selbsthilfe am Montag in Düsseldorf. Es sei nicht akzeptabel, dass der Zugang zu den Daten „faktisch davon abhänge, ob man sich ein neues Smartphone leisten kann“, sagte BAG-Bundesgeschäftsführer Martin Danner.

Hintergrund sind demnach neue Vorgaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Smartphones mit den Betriebssystemen Android 13 oder iOS 17 und älter könnten demnach nicht mehr länger für die Einsicht in die Patientenakte genutzt werden. Die ePA dürfe nicht dazu führen, „dass Menschen mit älteren Endgeräten von der digitalen Teilhabe ausgeschlossen werden“, verlangte Danner.

Computer laut BAG keine „realistische Alternative“

Zwar bestehe grundsätzlich weiter die Möglichkeit, die elektronische Patientenakte über einen Computer einzusehen, hieß es. Für viele Menschen - insbesondere Ältere, Personen mit geringen finanziellen Möglichkeiten oder mit Migrationsgeschichte - stelle dies jedoch „keine realistische Alternative dar“, monierte die BAG Selbsthilfe. Sie verfügten häufig weder über die notwendige technische Ausstattung noch über die digitalen Kompetenzen, um diesen Weg problemlos zu nutzen.

Ausdrücklich betonte der Dachverband, dass hohe IT-Sicherheitsstandards unverzichtbar seien. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass Sicherheitsanforderungen nicht zulasten der Zugänglichkeit gehen. BAG-Bundesgeschäftsführer Danner erklärte, wenn Millionen Versicherter ihre Gesundheitsdaten nur noch mit aktueller und teurer Hardware einsehen könnten, entstünde eine „neue Form der digitalen Ungleichheit“. Die BAG Selbsthilfe ist eine Dachorganisation von 120 bundesweiten Selbsthilfeverbänden.