"Solidarisch queer": Hunderttausende beim CSD in Hamburg

"Solidarisch queer": Hunderttausende beim CSD in Hamburg
Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin wurde in Hamburg die Polizeipräsenz für die CSD-Demonstration am Samstag deutlich erhöht. Am Sonntag suchte ein CSD-Abschlussgottesdienst in der St. Pauli-Kirche nach Wegen aus der Angst.
02.08.2026
epd
Von Marcel Maack (epd)

Hamburg (epd). Unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen - für eine Zukunft ohne Angst!“ haben sich am Samstag in Hamburg Hunderttausende zur Demonstration zum Christopher Street Day (CSD) versammelt. In der Innenstadt setzten sie ein lautes und buntes Zeichen für die Rechte der queeren Community. „Jetzt erst recht!“ zählte dabei zu den häufigsten Plakataufschriften. Die Polizei Hamburg und der veranstaltende Verein Hamburg Pride sprachen von rund 300.000 Teilnehmenden an der CSD-Demonstration. Laut Hamburg Pride waren das „so viele wie nie zuvor“.

Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD am vorangegangenen Wochenende waren in Hamburg die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Konkrete Gefährdungshinweise lagen laut Innenbehörde und Polizei nicht vor, dennoch habe man die Polizeipräsenz deutlich verstärkt. Das Lagezentrum der Polizei Hamburg sprach nach der CSD-Demo von mehr als doppelt so vielen Einsatzkräften wie im Vorjahr. „Das Einsatzkonzept ist voll aufgegangen“, hieß es. Die CSD-Demo sei friedlich verlaufen.

Bei dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag in Berlin war am 25. Juli ein Kastenwagen in eine Menschenmenge gefahren. Eine 65-jährige Frau wurde getötet, 31 Menschen wurden teils schwer verletzt. Der 21-jährige Tatverdächtige wurde später bei einem Polizeieinsatz getötet.

Gedenkminute zum Demo-Start

Zum Hamburger Demo-Start fand eine Gedenkminute für die Opfer des Anschlags auf den CSD in Berlin statt. Hamburg Pride rief zu gesellschaftlicher Solidarität auf und forderte, dass alle für Gleichberechtigung einstehen. An der Demo in Hamburg nahmen auch die Veranstalter des Berliner CSD mit einem eigenen Truck teil. An dem Wagen war ein Banner mit dem Schriftzug „We will dance again“ (Wir werden wieder tanzen) angebracht.

Die Evangelische Kirche in Hamburg war ebenfalls mit einem Truck dabei und setzte ein lautes Zeichen für Gleichberechtigung und Liebe. Am Sonntagvormittag feierten rund 150 Menschen in der St. Pauli-Kirche einen CSD-Abschlussgottesdienst unter dem Motto „Der Angst die Macht nehmen“. Im Gegensatz zu der lauten CSD-Demo am Vortag sollten in der Kirche nach Angaben der Veranstalter leisere und nachdenklichere Töne im Mittelpunkt stehen.

Sichere Orte im Alltag schaffen

Pastor Sieghard Wilm sagte, das Motto sei bereits vor Monaten gewählt worden. Nach dem Berliner Anschlag habe es noch einmal an Bedeutung gewonnen. Der Gottesdienst erinnerte an die Opfer queerfeindlicher Gewalt und rief dazu auf, auch im Alltag sichere Orte für queere Menschen zu schaffen. Polizei, Kirche und liberale Muslime warben für sichtbare Solidarität.

Das Hamburger CSD-Straßenfest auf dem Rathausmarkt sowie am Ballindamm sollte nach Angaben von Hamburg Pride bis Sonntagabend weitergehen. Das Ende war demnach für 22 Uhr geplant.