Düsseldorf (epd). Die evangelische Kirche begrüßt den Widerstand der Europäischen Fußball-Union (UEFA) gegen den geplanten Investoren-Deal des Weltfußballverbands FIFA. Der wiederholte Versuch von FIFA-Chef Gianni Infantino, die Rechte an der Fußball-WM an private Investoren zu verkaufen, sei unsäglich und gefährde den internationalen Fußball, sagte der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thorsten Latzel, dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Der Fußball steht nicht zum Verkauf.“
Die UEFA hatte wegen der Pläne mit einem Boykott aller FIFA-Turniere gedroht. „Infantinos ganzes Vorgehen vorbei an den zuständigen Gremien und Reden von 'demokratischen Prozessen' widersprechen sich völlig“, kritisierte Latzel, der auch leitender Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland ist. „Infantino entwertet das, worum es im Sport generell geht.“ Er sei froh, dass die UEFA und andere Verbände klar reagiert hätten. „Dieser Präsident ist schon lange untragbar.“
Zweckfreiheit, gemeinsame Regeln und Fairness
Was im Augenblick bei der FIFA ablaufe, sei „ein Sinnbild für einen weiterreichenden Prozess, bei dem korrupte Eliten meinen, sie stünden über den Regeln, könnten alles kaufen und für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren“, sagte Latzel. Der Fußball lebe jedoch wie der Sport insgesamt von Zweckfreiheit, gemeinsamen Regeln und fairem Wettkampf, betonte der Präses der rheinischen Kirche. „Speziell im Fußball erleben wir, wie diese Gedanken in Gefahr sind, wenn zu viel Geld im Spiel ist und politische Machthaber versuchen, sportliche Großereignisse für sich zu instrumentalisieren.“
Latzel kritisierte eine massive Kommerzialisierung auch bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada mit „exorbitanten Ticketpreisen“ und Werbe-Unterbrechungen. Wohin das führe, zeige „die absurde Verleihung des sogenannten FIFA-Friedenspreises an US-Präsident Donald Trump und die politisch motivierte, regelwidrige Zurücknahme einer Roten Karte“.
Fußball für alle, der Freude macht
Nach Latzels Einschätzung gibt es „im gesamten Fußball-Betrieb zu viel Geld“, für junge Spieler würden absurde Ablösesummen gezahlt. „Viele Fans spüren, dass der Fußball sich immer weiter von seinen Wurzeln entfernt.“ Die Verbände müssten neu lernen, dass der Fußball allen gehöre. „Wir müssen gemeinsam dafür eintreten, welchen Sport wir in einer offenen, freien Gesellschaft wollen“, fordert der Theologe: einen Fußball, an dem alle Fans teilhaben können und der Menschen Freude macht.
Der christliche Glaube lehre Bescheidenheit, Demut, Rücksichtnahme und eine Gemeinwohl-Orientierung, „die der individuellen Gier entgegensteht“, sagte der evangelische Sportbeauftragte. Auch der Sport könne wesentliche Beiträge zur Gesellschaft leisten durch Freude an Gemeinschaft und durch Werte wie Fairplay, Integration, Leistung und Teamgeist. Das gehe nur ohne kommerzielle oder politische Fremdbestimmung. „Lasst den Fußball wieder Fußball sein“, sagte Latzel. „Sport ist für den Menschen da und keine kommerzielle Ware.“



