Gießen (epd). Mit Zusatzqualifikationen können sich Arbeitnehmer in Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) beruflich fit halten - dazu rät der Gießener Erziehungswissenschaftler Bernd Käpplinger. „Generell würde ich sagen, dass gerade eine gute Zeit ist, sich weiterzubilden“, sagte der Professor für Weiterbildung dem Evangelischen Pressedienst (epd). Einige Branchen seien sehr stark vom Einzug der KI betroffen. Jedoch hätten schon häufiger in der Geschichte Menschen den Beruf wechseln müssen, etwa in der Stahlindustrie. In den aktuellen Veränderungen stecke viel Potenzial. Der Wissenschaftler rief dazu auf, den Menschen „Mut zur Weiterbildung zu machen und sie dabei besser zu unterstützen“.
Die Unternehmen hätten derzeit einen großen Bedarf zu prüfen, was KI-Tools überhaupt bieten und wie sie auf die betrieblichen Prozesse passen. Bei der Einführung von KI in Wirtschaft und Gesellschaft stünden zudem ethische, politische und demokratische Herausforderungen im Raum. KI verursache zum Beispiel einen enormen CO₂-Ausstoß. „Die Frage ist: Wollen wir das alles so haben, müssen wir für alles eine KI einsetzen, wenn der Energieverbrauch so hoch ist?“ Das zu diskutieren, gehöre in den Raum der Weiterbildung.
Bildung ist Gesundheitsförderung
Insbesondere in der Altersgruppe der über 60-Jährigen gebe es ein Wachstum bei der Weiterbildung. Auch für ältere Menschen lohne es sich, mit den Entwicklungen Schritt zu halten. „Studien zeigen: Eine der besten Gesundheitsförderungen ist Bildung“, betonte der Professor für Weiterbildung. „Aktiv sein, Neues entdecken, Begegnung, das ist alles sehr wichtig.“ Viele Beschäftigte machten auch deshalb eine Weiterbildung, weil sie sich mit anderen vernetzen wollten.
Weiterbildung könne die Menschen auf neue Ideen bringen, selbst wenn ein Angebot auf den ersten Blick nicht so nützlich wirke. Die nicht-berufliche Weiterbildung sei ebenfalls bedeutend. Käpplinger betonte: „Deshalb Soziales und Gesundheit nicht vergessen. Deutschland altert und der soziale Austausch ist ganz wichtig für uns und unsere Demokratie.“



