Frankfurt a.M., Nairobi (epd). Bei einem Luftangriff des russischen Afrikakorps in Mali sind im Juni laut „Human Rights Watch“ acht Zivilisten getötet worden, darunter drei Kinder. Die Menschenrechtsorganisation verwies am Freitag in Nairobi auf eine von ihr veröffentlichte Untersuchung. Demnach warf ein Flugzeug des russischen Typs „Suchoi Su-24“ am Morgen des 15. Juni mindestens zwei Sprengkörper auf das Dorf Kyrnia in der Region Mopti ab.
Dabei sei das Anwesen des Dorfoberhaupts getroffen worden, ebenso wie ein Viehmarkt. Drei weitere Menschen seien verletzt worden, hieß es. Kämpfer islamistischer Gruppen seien nicht unter den Opfern gewesen.
Nachfolger der Wagner-Gruppe
Beim Afrikakorps handelt es sich um die Nachfolgeorganisation der russischen Söldnergruppe Wagner, die ebenfalls bereits in Mali aktiv war und die Militärregierung im Kampf gegen islamistische Gruppen unterstützt hat. Am 15. Juni berichtete das Afrikakorps auf der Internetplattform X von einem Luftangriff gegen den Versammlungsort „terroristischer Gruppen“.
Ilaria Allegrozzi, Sahel-Expertin bei „Human Rights Watch“, warf dem Afrikakorps eine Missachtung des Kriegsvölkerrechts vor. Auch die malische Regierung könne für Gräueltaten ihrer Verbündeten zur Rechenschaft gezogen werden.
Russland ignoriert Anfragen
In Mali sind mehrere islamistische Gruppen aktiv, die immer wieder Angriffe auf die Armee, aber auch die Zivilbevölkerung verüben. Nach zwei aufeinanderfolgenden Putschen 2020 und 2021 wird der Sahel-Staat von Militärs regiert.
Laut Zeugenaussagen waren zum Zeitpunkt des Luftangriffs etwa 100 Kämpfer der islamistischen Terrorgruppe JNIM in dem Dorf, die meisten jedoch in einer etwa 150 Meter von den Einschlagsorten entfernten Moschee, teilte „Human Rights Watch“ mit. Die Analyse stützt sich auf Interviews mit 19 Menschen sowie die Auswertung von Satellitenbildern und Videos. Eine Bitte um Stellungnahme beim russischen Verteidigungsministerium sei unbeantwortet geblieben.



