Offenbach (epd). Der Klimawandel erhöht laut dem Meteorologen Andreas Brömser auch in Deutschland die Gefahr verheerender Waldbrände. Die Anzahl der Tage mit einer mindestens hohen Waldbrandgefahr sei im Durchschnitt in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen, sagte der Experte vom Deutschen Wetterdienst dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag. So habe es zwischen 1961 und 1990 im Schnitt neun Tage mit einer entsprechend hohen Warnstufe gegeben. In dem Zeitraum 1991 bis 2020 seien es durchschnittlich 14 Tage gewesen.
Zwar gebe es für einzelne Jahre Abweichungen, sagte Brömser: „Aber der langfristige Trend lässt sich eindeutig auf den Klimawandel zurückführen.“
Höhere Verdunstung
Der Agrarmeteorologe verwies auf die höhere Verdunstung infolge steigender Temperaturen. „Schon bei einem Grad Celsius mehr nimmt die Verdunstung um sieben Prozent zu“, sagte Brömser. Es müsste dann eigentlich mehr regnen, um die Trockenheit auszugleichen. „Das ist aber nicht der Fall.“ Dadurch werde es trockener und die Brandgefahr nehme zu. Laut dem Deutschen Wetterdienst ist die durchschnittliche Jahres-Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2025 um 2,5 Grad Celsius gestiegen.
Um dem steigenden Waldbrandrisiko zu begegnen, mahnte Brömser mehr Aufklärung über die Brandursachen an. „In mehr als 90 Prozent der Fälle sind Menschen für einen Waldbrand verantwortlich“, sagte er: „Da reicht schon die achtlos weggeworfene Kippe aus dem Autofenster.“ Zudem müsse mehr investiert werden, um Feuer früher zu entdecken. „Mit Drohnen etwa lassen sich Waldbrände schnell aufspüren und dann rascher bekämpfen“, sagte Brömser.
Klimawandel befeuert Waldbrände in Frankreich und Spanien
In Teilen Südeuropas wüten zurzeit verheerende Waldbrände. Eine am Freitag veröffentlichte Analyse der Forschungsgruppe „World Weather Attribution“ kommt zu dem Schluss, dass der Klimawandel die Wetterbedingungen wahrscheinlicher gemacht hat, die die Feuer in Zentralspanien und Südwestfrankreich mit angefacht haben.
Für die kommenden Tage warnte Brömser vor einem hohen Waldbrandrisiko in weiten Teilen Deutschlands. Vor allem die Südhälfte sei betroffen.



