Fast 10.000 Hitzetote seit Jahresbeginn

Fast 10.000 Hitzetote seit Jahresbeginn
Die Zahl der Hitzetoten steigt rasant: Rund 9.800 Menschen sind Schätzungen zufolge seit Jahresbeginn in Deutschland gestorben, mehr als in den Gesamtjahren zuvor. Opposition und Zivilgesellschaft sehen die Regierung in der Pflicht zu handeln.
30.07.2026
epd
Von Gundula Haage (epd)

Berlin (epd). Die Zahl der Hitzetoten in Deutschland ist auf einen Rekordwert gestiegen. Seit Jahresbeginn sind rund 9.800 Menschen in Deutschland infolge hoher Temperaturen gestorben, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag basierend auf aktuellen Schätzungen mit Stichtag 19. Juli mitteilte. Damit gab es allein in den knapp sieben Monaten seit Jahresbeginn bereits mehr hitzebedingte Todesfälle als in jedem Gesamtjahr seit 2016. Angesichts der Zahlen forderten Opposition und Zivilgesellschaft dringend Hitzeschutzmaßnahmen vonseiten der Bundesregierung.

Rund die Hälfte der Todesfälle geht laut dem RKI auf die Rekordhitzewelle Ende Juni zurück, die Extremtemperaturen von knapp 42 Grad Celsius mit sich brachte. Der Juni 2026 war nach Daten des EU-Klimadienstes Copernicus der heißeste Juni, der jemals in Westeuropa gemessen wurde. Der bisherige Höchstwert an Hitzetoten wurde im insgesamt heißen Jahr 2018 mit rund 9.000 hitzebedingten Todesfällen verzeichnet.

Alte und Kranke besonders gefährdet

Hitzeperioden in Deutschland führen laut dem RKI regelmäßig zu einem Anstieg der Todeszahlen. Nur selten sei die Hitze allein die Todesursache, etwa bei einem Hitzschlag. In den meisten Fällen führe eine Kombination aus Hitze und Vorerkrankungen zum Tod. Hohe Temperaturen seien für ältere Menschen besonders gefährlich: Ab einem Alter von 75 steigt die Übersterblichkeit durch Hitze laut den RKI-Zahlen stark an, fast 7.900 der Hitzetoten in diesem Jahr gehörten dieser Altersgruppe an.

Mit Blick auf Tausende gefährdete Menschenleben bei zukünftigen Hitzewellen rief der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zu schnellem Handeln auf. „Jetzt kommt es darauf an, zu retten, was noch zu retten ist“, sagte der SPD-Politiker der „Rheinischen Post“ (Freitag). Bewährte Konzepte wie Hitzeinformationsportale und Hitzetelefone müssten flächendeckend eingeführt werden, um gefährdete Menschen zu erreichen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) verwies auf dringend benötigte Kühltechnik in Krankenhäusern. Nur ein Bruchteil der Patientenzimmer in deutschen Kliniken könne derzeit gekühlt werden, erklärte der Verband.

Opposition fordert Hitzeschutzpläne, Trinkbrunnen und mehr Grünflächen

Aus der Opposition wurde angesichts der zahlreichen Toten scharfe Kritik an der Bundesregierung laut: „Ältere Menschen sterben in Pflegeeinrichtungen ohne Klimaanlage, Kinder schwitzen in überhitzten Kitas“, während die Bundesregierung tatenlos zusehe, mahnte Grünen-Chefin Franziska Brantner in der „Rheinischen Post“ (Freitag). Die Finanzmittel des Klima- und Transformationsplans müssten endlich konsequent „für Hitzeschutzpläne in Pflegeeinrichtungen und Kitas, für Verschattung und Trinkwasserbrunnen in Städten, für mehr Grün- und Wasserflächen“ investiert werden, forderte die Grünen-Politikerin.

Die Umweltorganisation Greenpeace sieht Bund und Länder in der Pflicht, deutschlandweit für einen besseren Hitzeschutz zu sorgen. Die notwendigen Investitionen in Hitzeschutz und Klimaanpassung könnten nicht allein von den Kommunen finanziert werden, mahnte Greenpeace. Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer rief Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) persönlich dazu auf, „sein Hitze-Schweigen zu brechen“. Seit Jahrzehnten werde vor Hitzewellen als Folge fehlender Klimaschutzmaßnahmen gewarnt. Die Tausenden Toten dieses Sommers seien „Folge von Generationen an politischem Versagen“.