Berlin (epd). Die Zahl der Hitzetoten steigt in ungekannte Höhen: Seit Jahresbeginn sind rund 9.800 Menschen in Deutschland infolge hoher Temperaturen gestorben, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag basierend auf aktuellen Schätzungen mit Stichtag 19. Juli mitteilte. Damit gab es allein in den knapp sieben Monaten seit Jahresbeginn bereits mehr Hitzetote als in jedem einzelnen gesamten Jahr seit 2016. Zum Vergleich: Der bisherige Höchstwert wurde im insgesamt heißen Jahr 2018 mit rund 9.000 hitzebedingten Todesfällen verzeichnet.
Rund die Hälfte dieser Hitzetoten geht laut dem RKI auf die Rekordhitzewelle Ende Juni zurück, die Extremtemperaturen von knapp 42 Grad Celsius mit sich brachte. Der Juni 2026 war nach Daten des EU-Klimadienstes Copernicus der heißeste Juni, der jemals in Westeuropa gemessen wurde. In der Woche vom 22. bis 28. Juni lag die Sterblichkeit in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 32 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Das Robert Koch-Institut meldete für den Zeitraum mindestens 5.100 hitzebedingte Todesfälle.
Ältere Menschen besonders gefährdet
Hitzeperioden in Deutschland führen laut dem RKI regelmäßig zu einem Anstieg der Todeszahlen. Nur selten sei die Hitze allein die Todesursache, etwa bei einem Hitzschlag. In den meisten Fällen führe eine Kombination aus Hitze und Vorerkrankungen zum Tod. Daher stehe Hitze meistens nicht als Ursache auf Totenscheinen und gelte als sogenannte leise Todesursache; das Ausmaß hitzebedingter Todesfälle lasse sich deshalb nur mittels statistischer Methoden aufdecken. Das RKI-Monitoring der hitzebedingten Todesfälle erfolgt darum immer etwas zeitversetzt zu den vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Sterbefallzahlen.
Hohe Temperaturen sind vor allem für ältere Menschen gefährlich: Ab einem Alter von 75 steigt die Übersterblichkeit durch Hitze laut den RKI-Zahlen stark an, fast 7.900 der Hitzetoten in diesem Jahr waren älter als 75. Allerdings gab es auch rund 630 Hitzetote, die jünger als 65 waren.



