Berlin, Caracas (epd). In Bolivien hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch (Ortszeit) einen Haftbefehl gegen den ehemaligen Präsidenten Evo Morales erlassen. Wie die Zeitung „El Deber“ berichtete, beschuldigt die Justizbehörde den Ex-Präsidenten, der von 2006 bis 2019 an der Macht war, unter anderem des bewaffneten Aufstands und des Terrorismus.
Der Sozialist Morales soll während der über 50 Tage dauernden Proteste gegen die konservative Regierung unter Rodrigo Paz im Mai und Juni 2026 zu Straßenblockaden aufgerufen haben. Diese führten unter anderem zu schweren Versorgungsengpässen und dem Tod mehrerer Patienten, die nicht rechtzeitig in ein Krankenhaus eingeliefert werden konnten.
Morales bezeichnete die Anschuldigungen als politisch motiviert. Auf der Plattform X schrieb er: „Sie versuchen uns für die Proteste verantwortlich zu machen, um das wahre Drama zu verschleiern, das Bolivien derzeit durchlebt: Eine tiefe wirtschaftliche und soziale Krise.“ Es ist bereits der zweite Haftbefehl gegen Morales, der in der ländlichen Provinz Chapare unter Schutz seiner Anhänger lebt. Chapare ist bekannt für den Anbau der traditionell genutzten Koka-Pflanze, der unter Morales legalisiert wurde.
39 Prozent der Bolivianer bezeichnen sich als Indigene
Nach der knapp 19-jährigen Regierungszeit der „Bewegung zum Sozialismus“ hatte im November 2025 der Christdemokrat Paz das Amt des Präsidenten übernommen. Entgegen seinen Wahlversprechen verdrängte Paz in den vergangenen Monaten indigene Organisationen aus dem Verwaltungsapparat. Diese hatten unter der „Bewegung zum Sozialismus“ an Macht und Einfluss gewonnen und protestierten daraufhin gegen die Regierung Paz.
Etwa 39 Prozent der Menschen in Bolivien fühlen sich laut der Volkszählung von 2024 einem indigenen Volk zugehörig. Indigene Sprachen wie Aymara und Quechua sind offiziell dem Spanisch gleichgestellt und werden auch im Alltag verwendet.



