Pantisano: Gefahr für queere Menschen "aus allen Himmelsrichtungen"

Pantisano: Gefahr für queere Menschen "aus allen Himmelsrichtungen"
Der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano fordert nach dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day mehr als Trauerbekundungen. Er verlangt von der Bundesregierung konkrete Maßnahmen zum Schutz queerer Menschen.
28.07.2026
epd
epd-Gespräch: Jonas Grimm

Berlin (epd). Der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano (SPD) hat nach dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) davor gewarnt, die Gefährdung queerer Menschen auf bestimmte Tätergruppen zu reduzieren. Die queere Community schaue „auf alle, die uns unsere Rechte und unsere Existenz absprechen“, sagte Pantisano dem Evangelischen Pressedienst (epd). Angriffe gegen queeres Leben kämen „aus allen Himmelsrichtungen“. Sein Appell sei, „dringend davon abzusehen, eine Klassifizierung zu machen, welche Gruppe die queere Community am meisten gefährdet“

Die „üblichen Trauerbekundungen“ aus der Politik würden von der queeren Gemeinschaft „oft als heuchlerisch empfunden“, sagte Pantisano als Ansprechperson des Berliner Senats für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Er verwies dabei auf eine Rede von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Sonntag. Merz hatte davon gesprochen, dass Gewalt nicht erst mit einem Anschlag beginne, sondern auch mit „dummen Redensarten und schlechten Witzen“. Pantisano sagte dazu: „Dann frage ich mich, ob er sich an seine Aussage erinnert, dass der Bundestag ja kein Zirkuszelt ist.“ Merz hatte die Aussage im vergangenen Jahr hinsichtlich des Hissens der Regenbogen-Flagge über dem Reichstag getroffen.

Streichung von Fördergeldern rückgängig machen

Pantisano forderte, nun müssten „Taten zu diesen ganzen Trauerbekundungen folgen“. Wenn die Bundesregierung es ernst mit dem Schutz queerer Menschen meine, müsse sie etwa die Streichung von Projektgeldern rückgängig machen. Betroffen seien davon etwa der Aktionsplan „Queer leben“ und die bundesweite Selbstorganisation queerer junger Menschen Lambda e.V.

Zudem fordern queere Verbände, den Artikel 3 des Grundgesetzes um die sexuelle Identität zu ergänzen und im speziellen Diskriminierungsschutz zu verankern. An diesen Punkten müsse sich die Bundesregierung messen lassen, argumentierte Pantisano. Ansonsten seien die Wortmeldungen nach dem Anschlag „hohle Phrasen“.

Mutmaßlicher Täter bei Zugriff erschossen

Am Samstagabend soll ein tatverdächtiger 21-Jähriger im Berliner Tiergarten einen Kastenwagen in eine Menschenmenge gesteuert haben und anschließend mit einer Stichwaffe auf weitere Passanten losgegangen sein. Eine Frau starb und 29 Menschen wurden verletzt, manche davon schwer. Beim mutmaßlichen Täter wird ein islamistisches Motiv vermutet. Der 21-Jährige wurde am Sonntag beim Zugriff eines Spezialeinsatzkommandos in Berlin-Spandau erschossen.