Kirchengemeinschaft VEM kritisiert Liederauswahl für neues Gesangbuch

Kirchengemeinschaft VEM kritisiert Liederauswahl für neues Gesangbuch
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will bis 2029 ein neues Gesangbuch herausbringen. Die Kirchengemeinschaft VEM äußert scharfe Kritik an der Liedauswahl: Internationale Perspektiven fehlten. Die EKD weist die Kritik zurück.

Wuppertal, Hannover (epd). Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) kritisiert den Auswahlprozess für die Lieder im geplanten neuen Evangelischen Gesangbuch. Bisher fehlten „internationale und dekoloniale“ Perspektiven oder seien bewusst übergangen worden, beklagte der Vorstand der internationalen Gemeinschaft von 38 Kirchen aus Afrika, Asien und Deutschland sowie den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in einer am Montag in Wuppertal veröffentlichten Stellungnahme.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wies die Vorwürfe zurück. Es gebe noch keine endgültige Liedauswahl, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) in Hannover. Zudem würden auf dem weiteren Weg zur endgültigen Liederliste weitere internationale und ökumenische Perspektiven sowie Expertise aus dem Arbeitsfeld „Rassismus und Kirche“ in die Beratungen einbezogen.

Vorwurf mangelnder Beteiligung und rechter Theologie

Bis 2029 will die EKD ein neues Gesangbuch mit modernen und traditionellen Liedern herausbringen, das gedruckt und digital erscheinen soll. Sie veröffentlichte im Juni eine vorläufige Liste mit 600 ausgewählten Liedern. Eine 70-köpfige Gesangbuchkommission aus Kirchen und Fachverbänden hatte mehrere Jahre lang rund 17.000 Liedvorschläge gesichtet und ihre in 550 ausgewählten Kirchengemeinden erproben lassen.

Im Zentrum der VEM-Kritik steht „die Frage der Beteiligung“. Ein Gesangbuch zeige, „wer dazugehört“, es solle Brücken bauen zwischen Menschen und Kulturen, heißt es in der Stellungnahme. Dass bereits Lieder aus der weltweiten Ökumene in der Liste enthalten sind, sei zwar ein guter Anfang, reiche jedoch nicht aus. Beteiligung bedeute, „dass die, die Ausgrenzung erleben, gefragt werden, bevor eine Liste veröffentlicht wird - nicht erst danach“, monierte der VEM-Vorstand.

Einigen Autorinnen und Autoren wirft der Kirchenbund vor, ihre öffentlich vertretene Theologie berühre sich „mit rechten und nationalistischen Strömungen“. Namen wurden nicht genannt. Es gehe um ein Muster „kolonialer und nationalistischer Ideologien“. Die Gesangbuchkommission wurde aufgefordert, „ihre Arbeitsweise zu überdenken“.